29. Apr. 2018
Wirtschaft

Zum Gründen gehört auch der Mut zur Lücke

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat einen Nachteil: Seit Jahren sinken die Zahlen der Unternehmensgründungen. Machten sich im Jahr 2015 noch 48.092 Männer und Frauen in Deutschland selbstständig, so waren es 2016 nur noch 46.167. Doch das heißt nicht, dass sich nicht auch erfolgreiche Arbeitnehmer mit Ideen tragen, die sie gern realisieren würden. Allein: es fehlt meist der Mut, die sichere Stellung aufzugeben und sich auf etwas vollkommen Unbekanntes einzulassen. Um diese Angst zu nehmen, gibt es in Niedersachsen viele Unternehmen und staatliche Angebote. Doch mit einem Besuch dort und den „Hausaufgaben“ eines jeden Gründers wie Finanzplan erstellen und den Markt analysieren ist es in der Regel nicht allein getan. Angehende Unternehmer müssten sich über vieles klar werden, wenn sie erfolgreich sein wollen, sagt Sabrina Spielberger. Sie gehört zu den Sprechern, die in diesem Jahr bei der Konferenz „Womenpower“ von ihren Erfahrungen berichten. Zu diesem Kongress treffen sich jedes Jahr am letzten Freitag der Hannover Messe mehr als Tausend Frauen auf dem Messegelände, um sich über Karriere, Gründen und Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben auszutauschen. Die ehemalige Modebloggerin Spielberger ist Gründerin und Geschäftsführerin von Digidip, einem Unternehmen, das Webseitenbetreibern, Bloggern und Influencern dabei hilft, Provision mit dem Hinweisen auf Artikel bestimmter Firmen zu verdienen. Sie hat ihre Idee 2013 in die Tat umgesetzt und kann jetzt auf ein wachsendes Unternehmen blicken, das 15 Mitarbeiter beschäftigt und schwarze Zahlen schreibt. Doch bis dahin war es ein hürdenreicher Weg, wie sie selbst sagt. Und einige der Hindernisse – so ist ihr im Nachhinein klargeworden – hätte sie ohne Schwierigkeiten umgehen können.
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„Mein erster Tipp: Konzentriert euch auf euer Kernprodukt“, sagt sie. Denn sie selbst hätte sich viel zu oft im Klein-Klein verzettelt und sei deshalb nicht rechtzeitig am Markt gewesen. „Als ich live ging, hatten schon andere ähnliche Ideen wie mein Konzept umgesetzt. Dadurch sind mir Geschäftschancen entgangen.“ Bei Spielberger war es vor allem die Liebe zum Detail, die sie aufgehalten hat. Soll der Anmelde-Button pinkfarben oder lieber türkisblau sein? Könnte man nicht auch Schlagwörter wie „Roter Rock“ mit einer Provisionsmöglichkeit versehen? In diese Kleinigkeiten habe sie viel Geld und Zeit investiert, das Ergebnis stand aber nicht immer im Verhältnis zum Aufwand. „Die Schlagwort-Idee habe ich recht schnell wieder fallen gelassen. Und mal ehrlich: Welchen Kunden interessiert am Ende, ob der Button pink oder blau ist?“ Gründer sollten deshalb so schnell wie möglich an den Markt gehen, Kunden gewinnen und Umsatz machen. „Das ist zum einen wichtig, damit euer Geschäft dauerhaft überleben kann“, sagt Spielberger. „Auf der anderen Seite ist es auch für euch wichtig, denn ihr müsst von dem Geld schließlich leben.“ https://soundcloud.com/user-385595761/stephan-weil-bei-den-digital-natives Ebenso rät sie, möglichst bald nach der Gründung mindestens einen Mitarbeiter einzustellen. „Das muss keine Vollzeitkraft sein, das kann auch eine Teilzeitstelle oder ein Praktikant sein. Hauptsache, ihr macht nicht alles allein“, sagt die Gründerin. Denn allein sei man für alles verantwortlich, aber nicht auf jedem Gebiet ein Experte. „Als ich den ersten Mitarbeiter, einen IT-Experten eingestellt hatte, habe ich erst gemerkt, wie gut das tut, mich mit diesem Themenfeld nicht mehr befassen zu müssen.“ Denn sich um alles kümmern zu müssen, fordere nicht nur Expertise, sondern auch Zeit. „Dabei geht oft die Muße verloren, mit der man doch an die Umsetzung der Gründungsidee gegangen ist.“ Und die Zeit bräuchten Gründer noch für etwas anderes: zum Netzwerken. „Ich habe den Fehler gemacht und gedacht: ;Gründertreffen und die Start up-Szene, das ist Luxus, den du dir nicht erlauben kannst.‘ Das stimmt aber nicht“, sagt Spielberger. Denn gerade auf diesen Treffen stelle man fest, dass auch die anderen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten. „Und zu mehreren findet man viel leichter eine Lösung als im stillen Kämmerlein.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #81.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning