29. Okt. 2021
Inneres

Zum Landesgeburtstag erlebt Niedersachsen einen Generationswechsel

Es hat ein wenig mit Zufall zu tun, aber auch mit langfristiger Planung. Am kommenden Montag treffen sich viele offizielle Würdenträger Niedersachsens zu einem Festakt im hannoverschen Kongress-Zentrum, weil das Land seinen 75. Geburtstag feiert. In der Einladung der Staatskanzlei ist „vom schönsten Bundesland im Nordwesten“ die Rede, was wohl als Affront gegen Bremen gewertet werden kann.

Free-Photos (Pixabay)

Denn Bremen ist das einzige weitere Bundesland im Nordwesten der Republik, Hamburg und Schleswig-Holstein sind geographisch kaum als westlich anzusehen. Am gleichen Tag nun erleben etliche Kommunen in Niedersachsen einen Generationswechsel, mehr als 250 Bürgermeister und Landräte, die am 12. und am 26. September direkt gewählt worden waren, treten ihr neues Amt an – darunter etliche Neueinsteiger, auch in hohen Positionen. Traditionell ist der Start der Kommunalwahlperioden in Niedersachsen am 1. November, so auch in diesem Jahr. Das trifft jetzt mit dem Landesgeburtstag zusammen, denn die „Verordnung Nr. 55“ der britischen Militärregierung datiert vom 1. November 1946, damit ist dieser Termin der offizielle Geburtstermin des Landes. Noch zwei weitere Jubiläen gibt es: Die Region Hannover, der Zusammenschluss der Stadt Hannover mit dem Landkreis Hannover zu einer Region, man kann auch sagen das Ende der Kreisfreiheit der Landeshauptstadt, liegt an diesem 1. November genau 20 Jahre zurück. Am Sonnabend übergibt der bisherige Regionspräsident, Hauke Jagau (SPD), sein Amt in die Hände seines Nachfolgers Steffen Krach (SPD), und es gibt dazu einen Geburtstagsempfang der Region. Genau 25 Jahre zurück liegt am 1. November das Ende der sogenannten „Zweigleisigkeit“, des Nebeneinanders von hauptamtlicher Verwaltungsspitze und ehrenamtlicher Repräsentanz in den Gemeinden und Kreisen. Auch das ist ein Jubiläum.

Jagau, Mägde oder Einhaus: Schwergewichte scheiden aus dem Amt

All das lässt den kommenden Montag in Niedersachsen zu einem Feiertag werden, obwohl nicht hier, sondern im benachbarten Nordrhein-Westfalen am 1. November arbeitsfrei ist – dort allerdings wie in jedem Jahr wegen Allerheiligen. Der kommunale Generationswechsel gibt nun Gelegenheit, etwas näher hinzuschauen. Es scheiden jetzt nämlich einige Schwergewichte aus dem Amt, die über ihre kommunalen Ämter die Landespolitik über viele Jahre geprägt und beeinflusst haben. Jagau, der hannoversche Regionspräsident, ist einer von ihnen, er war über 15 Jahre lang der Chef der Verwaltung des mit Abstand größten Landkreises, nämlich der Region.

Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge hört altersbedingt auf. - Foto: Hansestadt Lüneburg

Auch das bisherige Spitzenduo des Landkreistages, Präsident und Vizepräsident, tritt ab – der bisherige Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) und sein Celler Kollege Klaus Wiswe (CDU). Beide standen für einen moderaten, unideologischen und sehr pragmatischen Kurs, sie waren als zähe Verhandler mit dem Land bekannt, wenn es etwa um Kosten der Kindergartenbetreuung ging oder um den Aufbau von Impfzentren. Besonders gilt das auch für den Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD), der als Präsident oder Vizepräsident des Städtetages immer wieder die Gelegenheit nutzte, die eigenständige Rolle der niedersächsische Kommunen gegenüber der Landesregierung hervorzuheben. Auch er hört jetzt altersbedingt auf, zugleich endet demnächst seine Zeit als Bundessprecher der kommunalen Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen. Im kommunalen Arbeitgeberverband Niedersachsens beendet zudem Landrat Franz Einhaus (SPD) aus Peine seine Politikkarriere, ein ebenso erfahrener wie umsichtiger Insider der Kommunalpolitik.

Die Verjüngung, die jetzt eintritt, ist Schlusspunkt der Wirkungszeit noch von vielen anderen profilierten Kommunalpolitikern. Von den vielen, die es betrifft, stechen einige hervor – so die Oberbürgermeister von Osnabrück, Braunschweig und Wolfsburg, Wolfgang Griesert, Ulrich Markurth und Klaus Mohrs. Die OBs von Goslar, Oliver Junk, und Delmenhorst, Axel Jahnz, sind auch darunter. Auch die Landräte des Ammerlandes, Jörg Bensberg, des Heidekreises, Manfred Ostermann, von Gifhorn, Andreas Ebel, von Rotenburg, Hermann Luttmann und von Stade, Michael Roesberg, scheiden aus ihren Ämtern – ähnlich wie die Landräte aus Goslar, Vechta und Hildesheim.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #193.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum