27. Nov. 2015
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Zum Tage: 15 Jahre Einsatz für die Schwächsten

(rb) Die Idee ist ebenso einfach wie überzeugend: Wenn Schwangere und Mütter in schwierigen psychosozialen Lebenssituationen früh umfassende Hilfe und Unterstützung bekommen, können sie die notwendige Bindung an ihre neugeborenen Kinder entwickeln, diese vor Vernachlässigung und Gewalt schützen und ihnen im ersten Lebensjahr die Sicherheit vermitteln, die die Grundlage für ein gesundes Aufwachsen, aber auch für die Aufnahmefähigkeit von Förderung und Bildung ist. Mütter und Väter stärken, junge Menschen vor zu frühen Schwangerschaften bewahren, um die Schwächsten zu schützen, aber auch um eine dauerhafte Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung über mehrere Generationen zu vermeiden bzw. zu durchbrechen – das sind die Grundpfeiler, auf denen die hannoversche Stiftung „Eine Chance für Kinder“ errichtet wurde. Celia und Adolf Windorfer haben die Stiftung zur Jahrtausendwende gegründet. Zu dieser Zeit war Prof. Dr. Windorfer noch Präsident des Landesgesundheitsamtes, nachdem er zuvor viele Jahre die Gesundheitsabteilung im niedersächsischen Sozialministerium geleitet hatte. Seit 15 Jahren werben die Krankenschwester, die die Geschäfte der Stiftung führt, und der Facharzt für Kinderheilkunde, Klinische Pharmakolokie und öffentliches Gesundheitswesen unermüdlich um Unterstützung für ihr Konzept der vernetzten „Frühen Hilfen“ und entwickeln es kontinuierlich weiter: Speziell geschulte Hebammen suchen möglichst schon vor der Geburt eines Kindes Familien, Paare oder Frauen auf, die von Armut, Krankheit, Gewalt oder Drogen bedroht bzw. anderweitig belastet sind. Diese „Familienhebammen“ betreuen das Kind und dessen Eltern während des ersten Lebensjahres, vermitteln weitere Hilfen und Unterstützungsleistungen. Im Jubiläumsjahr 2015 kann das Stifterpaar für sich beanspruchen, Erfolg gehabt zu haben. Mit Unterstützung des Sozialministeriums, der Klosterkammer Hannover und der Sparkassenstiftung sowie mit Hilfe vieler weiterer Institutionen, Partner und privaten Förderer hat sich „Eine Chance für Kinder“ zum Motor für die Qualifizierung von Hebammen, seit 2012 auch von Kinderkrankenschwestern zu „Fachkräften Frühe Hilfen“ in Niedersachsen entwickelt und dabei hohe Standards mit bundesweiter Signalwirkung gesetzt. Vom Jahr 2000 an bis heute wurden durch die Stiftung insgesamt 300 Hebammen zu Familienhebammen fortgebildet; 220 erhielten die staatlich anerkannte Weiterbildung. Diesen hohen Qualitätsstandard gibt es dank der Stiftung seit dem Jahr 2010 – bislang allerdings nur in Niedersachsen. 100 Kinderkrankenschwestern haben sich außerdem zu „Familienkinderkrankenschwestern“ fortgebildet. Mittlerweile werden allein in Niedersachsen ca. 300 dieser Fachkräfte in 47 Kommunen eingesetzt. Darüber hinaus investiert die Stiftung Spendengeld in eine altersgerechte Sexualaufklärung von Jugendlichen an Haupt-, Real- und Oberschulen. Das Schulprojekt „LebensPlan“ dient nicht nur der Vermeidung von Teenagerschwangerschaften, sondern soll jungen Menschen einen angemessenen Umgang miteinander und die Notwendigkeit einer individuellen Lebensplanung vermitteln. Auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus Flüchtlingsfamilien sei es besonders wichtig, ihnen den in Deutschland für richtig gehaltenen Umgang mit dem jeweils anderen Geschlecht zu vermitteln, meint Prof. Windorfer. Der aktuelle Schwerpunkt der Stiftung liegt auf dem Ausbau der psychosozialen Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Mit dem Projekt „Heimat schaffen. Familie schützen. Zukunft schenken.“ soll die gesundheitliche Betreuung von Frauen und Kindern aus Flüchtlingsfamilien als Schlüssel für weitere Hilfen und damit als wichtiges Instrument für eine gelingende Integration möglichst flächendeckend in Niedersachsen installiert werden. Nach Erfahrungen in Wilhelmshaven, in den Landkreisen Northeim und Verden sowie in der Region Hannover hält Prof. Windorfer die Einrichtungen von „Gesundheitszentren“ in den Aufnahmeeinrichtungen für unverzichtbar. Im Auftrag der Stiftung gehen Familienhebammen seit 2014 direkt in einzelne Flüchtlingsunterkünfte, halten „Müttersprechstunden“ ab, begleiten die Familien auch am neuen Wohnort in den Kommunen. Die Hilfe reicht von der Wochenbettbetreuung über die Beratung zur Pflege und Ernährung der Kinder, die Klärung des Versichertenstatus und von sozialrechtlichen Fragen bis hin zum Organisieren von Arztbesuchen, Klinikaufenthalten, Kitaplätzen etc. Bisher ist dieses Engagement nur mit Hilfe von Spenden bzw. Patenschaften von Unternehmen und Institutionen möglich. Bleibt zu hoffen, dass es nicht noch einmal 15 Jahre dauern wird, bis interkulturell geschulte Fachkräfte Frühe Hilfen für Flüchtlinge in den Kommunen eine Selbstverständlichkeit sind. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #220.
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