24. Nov. 2015
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Zum Tage: Was wird aus den Gymnasien?

(rb) Am Mittwoch wird nicht Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, sondern Ministerpräsident Stephan Weil beim Niedersächsischen Philologentag in Goslar sprechen. Dies geschehe auf ausdrücklichen Wunsch des Lehrerverbandes, heißt es aus dem Kultusministerium. Trotzdem ist es ein bemerkenswerter Vorgang. Der ehemalige SPD-Kultusminister Rolf Wernstedt etwa ließ die Philologen in den 90-er Jahren rechts liegen und ging einfach nicht zu deren Verbandstagen. Besondere Brisanz bekommt die Besetzung dieses Termins, da sich der diesjährige Philologentag ausschließlich um die Zukunftsperspektiven der Gymnasien im Land drehen wird, die seit Regierungsantritt der rotgrünen Koalition im Februar 2013 keinen leichten Stand haben. Der Auftritt des Regierungschefs anstelle der Ressortchefin vor den 350 Delegierten aus den Gymnasien, Gesamtschulen und Studienseminaren in Niedersachsen lässt aber auch erneut Raum für Spekulationen. Will Weil das Thema Gymnasien jetzt auch noch zur Chefsache machen oder hat er möglicherweise bereits beschlossen, dass Heiligenstadt schon bald nicht mehr seinem Kabinett angehören soll? Unabhängig von der Botschaft, die der Landesvater bewusst oder unbewusst mit seiner Teilnahme an dem Verbandstag setzt, werden die Inhalte seiner Ansprache nicht nur von den Philologen mit Spannung erwartet. Was könnte Weil zur zukünftigen Entwicklung der Gymnasien sagen? Dass diese jetzt doch noch mehr Lehrerstellen bekommen werden, um die historische Talfahrt bei der Unterrichtsversorgung unter die 100-Prozent-Marke schnellstmöglich zu stoppen? Dass die eine Stunde Mehrarbeit nur für Gymnasiallehrer/innen, die die Philologen erfolgreich vor dem Staatsgerichtshof abgewendet haben, ein ganz dummer Fehler dieser Landesregierung war? Dass die Gymnasien auch nach der Wiedereinführung von G9 ihr eigenes Profil behalten können, also nicht weiter nach Maßgabe der Integrierten Gesamtschulen umgemodelt werden? Vermutlich wird der Ministerpräsident nichts Konkretes nach Goslar mitbringen, sondern sich eher bemühen, die Wertschätzung der Landesregierung für die Gymnasien im Land, deren Lehrkräfte und Schulleitungen zu betonen und diese auffordern, angesichts der vielen Flüchtlingskinder nicht in ihrem Engagement auch auf diesem Feld nachzulassen. Dagegen haben die Philologen zahlreiche konkrete bildungspolitische Anträge vorbereitet, mit denen sie auf den Erhalt und die Stärkung des Gymnasiums drängen und ihre Entschlossenheit dokumentieren wollen, sich gegen „eine schleichende Aushöhlung seiner Zielsetzungen und Leistungsanforderungen“ entschieden zur Wehr zu setzen. Nicht ohne Grund steht der diesjährige Verbandstag unter dem Leitspruch „Mit uns muss man rechnen“. Viele der insgesamt 595 Anträge machten die Unzufriedenheit mit den zahlreichen Unzulänglichkeiten des alltäglichen Schulbetriebs deutlich, kündigte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz an, der sich während der Vertreterversammlung in der Kaiserpfalz erneut um dieses Amt bemühen will. Die drastisch gestiegenen außerunterrichtlichen Belastungen und die ebenso unnötige wie arbeitsintensive Bürokratisierung durch die Eigenverantwortliche Schule seien Schwerpunkte der Anträge. Audritz fordert von der Landesregierung „eine rigorose Aufgabenkritik“, um den Gymnasien wieder mehr Zeit für die zentralen Aufgaben – Unterricht und Erziehung – zu verschaffen. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #217.
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