1. März 2016
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Zum Tage:In den Startlöchern

(rb) Die aus europäischer Sicht so erfreulichen Wahlergebnisse im Iran, die den dortigen Reformkräften enormen Rückenwird geben, wirken sich auch auf die bislang noch zaghaften, aber hoffnungsvollen Kontakte niedersächsischer Unternehmen mit der iranischen Wirtschaft aus. Nach zehn Jahren, die wegen des Atomprogramms des Landes geprägt waren von den Wirtschaftssanktionen des Westens, war Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies einer der ersten, die nach der nahezu vollständigen Aufhebung des Embargos im vorigen Herbst mit einer Wirtschaftsdelegation in den Iran gereist waren. Die seither zu beobachtenden Entwicklungen, die mit dem Wahlergebnis vom Wochenende einen neuen Höhepunkt zu verzeichnen hatten, machen Lies für künftige Geschäftsanbahnungen niedersächsischer Unternehmen geradezu euphorisch. „Wir waren genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagte der Minister am Montag. Der Iran zeige jetzt auch an der Wahlurne seinen Willen zu Veränderungen. Bereits im April ist eine Reise von Ministerpräsident Stephan Weil und im November erneut eine Delegationsreise des Wirtschaftsministers nach Teheran geplant. Dann will Lies dort eine niedersächsische Repräsentanz eröffnen, die Anlaufstelle für interessierte Unternehmen aus Niedersachsen und dem Iran sein soll. Er sieht darin auch eine Perspektive für die Arbeitsplätze hiesiger Unternehmen, besonders der Zulieferindustrie, mit Ausstrahlung auf die an den Iran angrenzenden Länder. Zu den Unternehmen, die besonders an den Marktpotenzialen des orientalischen Landes interessiert sind, gehören u.a. auch der Bauunternehmer Günter Papenburg und die Braunschweiger BBR Verkehrstechnik. Papenburg und BBRGeschäftsführer FrankMichael Rösch, die beide bei der ersten Delegationsreise dabei waren, rechnen sich große Chancen für den niedersächsischen Markt aus. Sie berichten von gut ausgebildeten jungen Leuten im Iran, einem hohen Nachholbedarf des Landes besonders in der Infrastruktur und einem großen Interesse an Geschäftsverbindungen mit deutschen Unternehmen. Rösch nannte seine Gesprächspartner regelrecht „deutschaffin“. Lies ist überzeugt, dass gerade niedersächsische Unternehmen prädestiniert dafür sind, die Erfordernisse in dem Land zu erfüllen, das trotz des langen Embargos zu den 20 stärksten Volkswirtschaften der Welt gehöre. Einen starken Nachholbedarf sieht der Minister vor allem im Bereich Maschinenbau, Medizintechnik, Mobilität, Ernährungswirtschaft und Landmaschinenbau sowie bei den erneuerbaren Energien, der Erdgasförderung und natürlich bei der Infrastruktur, insbesondere beim Autobahnbau. Das gesamte Investitionspotenzial wird mittel- bis langfristig auf bis zu 200 Milliarden Euro geschätzt. Papenburg betonte hier sein Interesse an einem langfristigen Engagement, das den Wissenstransfer und die Ausbildung vor Ort mit einschließe. Als größtes Hemmnis für interessierte mittelständische Unternehmen gilt die von den USA geprägte Zurückhaltung der Banken, so dass die Abwicklung der Geschäfte derzeit über Länder wie Kuweit und vor allem China erfolgt. Die Banken sorgten sich in der Regel um ihre Geschäfte mit den USA, die nach wie vor starke Vorbehalte gegen den Iran hegten, sagte Lies. Er setzt darauf, dass „regional aktive deutsche Geldinstitute ohne Dependancen in den USA“ den Geldtransfer übernehmen könnten. Gemeint sind damit offenkundig die Sparkassen und Volksbanken. Schon in diesem Monat will der Wirtschaftsminister erste Gespräche darüber führen. az
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #42.
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