51 Stunden auf Behandlung gewartet
Im vergangenen Jahr haben 349 Patienten bei Wüst Rat gesucht, das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp die Hälfte der Fälle betraf den Bereich der Krankenhäuser. Der Landespatientenschutzbeauftragte schilderte drastische Fälle, die auf seinem Schreibtisch landeten. So habe ein 91-jähriger Patient insgesamt 51 Stunden in einer Notaufnahme auf seine Behandlung warten müssen. Er war wegen schlechter Leberwerte ins Krankenhaus gefahren. Auf der Station fragte er immer wieder nach, ob er etwas zu essen und zu trinken haben könne und wurde dort seinen Worten zufolge freundlich versorgt. Der Mann habe es mit Humor genommen, berichtete Wüst. „Wenn er aber einer schwerwiegende Erkrankung gehabt hätte, dann hätte es gefährlich werden können“, merkte Wüst an. In einem anderem Fall lag ein schwer geistig und körperlich Behinderter nach einer Notoperation reglos im Bett in seinem Erbrochenen. Die Schwester des Patienten fand ihn so auf und schlug Alarm. Nach ihrem Gefühl habe es 15 bis 20 Minuten gedauert, bis die Reanimation Erfolg hatte, berichtete Wüst. Der Patient hatte durch den Vorfall irreversible schwerste Hirnschädigungen davongetragen. In Absprache mit den behandelnden Ärzten entschied sich die Familie, die lebenserhaltenden Geräte abzustellen. Wüst schilderte im Ausschuss auch den Fall einer Schlaganfallpatienten, die nicht sprechen konnte, und weder Medikamente noch etwas zu essen und zu trinken bekam. Sie erhielt auch nicht das nötige Insulin, was zu dramatischen Blutzuckerwerten führte. Die zwei diensthabenden Krankenschwestern seien hoffnungslos überfordert gewesen. Sie hätten einfach die Klingel am Bett abgestellt, sagte Wüst.Lesen Sie auch: Porträt: Der schwäbische Niedersachse Artikel: Portalpraxis statt Notaufnahme: Reimann will bessere Notfallversorgung
Mehrere Patienten beschwerten sich auch über die Einstellung fachärztlicher Bereitschaftsdienste. „Das gilt sowohl für den kinderärztlichen Notdienst in Goslar und den augenärztlichen Notdienst in Hildesheim.“ Ein Problem sei, dass immer weniger junge Fachärzte dazu bereit seien, sich an den freiwilligen Bereitschaftsdiensten zu beteiligen. „Auch diese Entwicklung trägt dazu bei, dass immer mehr Patienten auf die Notaufnahmen der Krankenhäuser angewiesen sind“, sagte der Landespatientenschutzbeauftragte. Seinen Worten zufolge gebe bestehen die alten Probleme im Gesundheitswesen nach wie vor: der Zeitmangel bei Ärzten und Pflegern, die Schwierigkeiten beim Entlassen von Patienten aus den Kliniken und die langen Wartezeiten in den Notaufnahmen. Auch die Einrichtung von sogenannten Portalpraxen gestaltet sich Wüste zufolge zäh.


