Die digitale Veranstaltung fand in der CDU-Parteizentrale in Hannover statt - Foto: kw[/caption]
Die Niedersachsen-CDU hatte die drei Bewerber für den CDU-Vorsitz, die sich am 15. und 16. Januar den 1001 Delegierten des CDU-Bundesparteitags stellen sollen, zu einer virtuellen Konferenz eingeladen. Eigentlich hätten die drei in Hannover erscheinen und vor den 140 niedersächsischen Delegierten des Parteitages Auskunft geben sollen. Doch wenige Tage vor dem Ereignis, in Anbetracht der hochschnellenden Corona-Zahlen, entschied sich der Landesverband dann doch anders. Laschet, Merz und Röttgen wurden jetzt nur per Video zugeschaltet, die Parteitagsdelegierten wurden an ein Übertragungssystem angeschlossen und konnten direkt ihre Fragen stellen, alle CDU-Mitglieder und Interessierte konnten die Veranstaltung im Netz verfolgen.
CDU-Landeschef Bernd Althusmann assistierte der Moderatorin Leinweber, er las einige Fragen vor, die von außen an die drei herangetragen wurden. Und auf einem großen Bildschirm, der in der CDU-Landesgeschäftsstelle aufgebaut war, beobachtete die engere Parteispitze in Niedersachsen das Ereignis. Die spannendste Frage war dabei: Hat sich die Rolle der drei Bewerber verändert? Gibt es inzwischen einen Favoriten?
Dass Merz, der ewige Kritiker der Kanzlerin, die Ära Merkel nun auf einmal positiv bewertet, kann zweierlei bedeuten – entweder ist er über die vielen Monate des CDU-internen Parteienwettstreits milde geworden, oder aber er hat vor der Veranstaltung in Hannover Kreide gefressen und unterdrückt seine wahre Position. Wie auch immer, vor den niedersächsischen Delegierten wirkt Merz weniger bissig und forsch als sonst, eher ein wenig erschöpft. An mehreren Stellen sagt er, in den Detailfragen der Wirtschafts- oder Verteidigungspolitik seinen beiden Mitbewerbern im Wesentlichen zuzustimmen. Womöglich hätten viele gerade von Merz anderes erwartet.
Röttgen hingegen, der anfängliche Außenseiter, sticht gegenüber seinen beiden älteren Mitbewerbern wenigstens äußerlich hervor. Er hat sich vor einer Werbetafel mit eigenem Spruch „Jetzt voran!“ platziert, trägt kein Jackett und keine Krawatte wie die anderen beiden. Laschet sitzt immerhin vor einer Wand mit CDU-Emblem, bei Merz ist der Hintergrund einheitlich grau. Röttgen lächelt meist freundlich, Laschet kaut manchmal auf seinen schwarz-gelben Stift und blickt zuweilen überaus skeptisch, Merz fläzt sich vor der Kamera in seinem Stuhl und grinst.
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Würden die Kandidaten bei anfänglichen Fangfragen aufs Glatteis gehen? Der These, dass Niedersachsen das schönste Bundesland sei, stimmen Laschet und Merz mit einem besonderen Emoji zu – einem Lächeln mit Sonnenbrille. Röttgen, der als überzeugter Rheinländer keine Zustimmung gegeben hat, nennt die anderen „Ihr Verräter“. Immerhin: Alle wissen hier noch, dass die Antwort nicht allzu ernst gemeint gewesen sein kann. Später, als es um den Vergleich von Karneval und Schützenfest geht, sind alle drei so klug, ihre Verankerung in NRW nicht zu stark zu leugnen. Karneval hat bei ihnen Vorrang.
Die erste inhaltliche Bewährungsprobe kommt kurze Zeit später. Da machen die drei mit unterschiedlichen Positionen Punkte – oder auch nicht. Laschet trägt, als er das wichtigste Thema für Niedersachsen nennen soll, umständlich dozierend drei Details mit Erläuterungen vor – Corona-Krise, Wirtschaftskrise und Stadt-Land-Gefälle. Röttgen und Merz, die nach ihm an der Reihe sind, wiederholen den Fehler nicht und kommen jeweils mit einem Begriff auf den Punkt, „digitales Niedersachsen“ bei Röttgen und „Technologie“ bei Merz.


