5. Feb. 2020
Wirtschaft

Althusmann ist mit ÖPNV-Angebot auf dem Land nicht zufrieden

„Strandläufer“ heißt die Landesbuslinie, die bald im Kreis Wesermarsch zwischen Tossens und Nordenham die Seebäder verbinden soll. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann versprach am Mittwoch in Hannover einen täglichen Stundentakt zwischen 6 und 23 Uhr, Busse mit WLAN und „bequemer Überland-Bestuhlung“. Der Strandläufer ist nur eines von 328 Projekten des öffentlichen Personennahverkehrs, die das Land in diesem Jahr fördert. Die Zahl der Projekte ist zwar um zehn Prozent gestiegen, die Fördersumme mit 95,4 Millionen Euro aber um etwa 1,2 Prozent gesunken. Das liege allerdings nicht am Ministerium, stellte Althusmann klar, sondern schlicht an den Anträgen. „Alle Anträge aus Niedersachsen wurden aufgenommen, alles was möglich war, haben wir auch gemacht“, sagte der Wirtschaftsminister. Er rief die Kommunen dazu auf, so viele Vorhaben wie möglich zu melden, weil die ÖPNV-Förderung ein besonderer Schwerpunkt bleiben werde. Erst recht, wenn nach der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes weitere Millionen fließen werden. „Es ist wichtig, dass wir auf einem hohen Niveau bleiben“, meinte Althusmann. Für ihn sind die Fördermittel für Busse, Bahnen und die dazugehörigen Haltestellen nicht nur ein Beitrag für mehr Klimaschutz, sondern auch eine Unterstützung des ländlichen Raums.
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Geförderte Großprojekte finden sich auch diesmal erneut in Stadt und Land. Den Neubau des Betriebshofes in Brinkum im Kreis Diepholz fördert das Land voraussichtlich mit fast 3,5 Millionen Euro, für die Brandschutznachrüstung und den Bau eines Aufzugs an der hannoverschen Straßenbahnstation Aegidientorplatz werden es wohl über 3,7 Millionen Euro sein. Mit 2,4 Millionen Euro soll der Ausbau der Bike & Ride Anlage am Osnabrücker Hauptbahnhof gefördert werden und fast 4,7 Millionen Euro gibt das Land für das geplante Park and Ride-Parkhaus am Bahnhof Uelzen dazu. Große Summen gehen auch wieder für neue Busse über den Fördertisch, darunter über 10 Millionen Euro für 47 Busse in Stade, 5,8 Millionen Euro für 22 Busse in der Region Hannover und fast 12,3 Millionen Euro für 37 neue Busse in Braunschweig. Das Gros der knapp 300 neuen geförderten Busse wird dabei immer noch mit Dieselmotor bestellt, der Anteil der Elektrobusse liegt bei gut 14 Prozent, nur zwei Prozent der geplanten neuen Busse fahren mit Erdgas. Althusmann meint, dass sich das Verhältnis zwischen Diesel und E-Antrieb bei Bussen in den nächsten Jahren umkehren könnte. Allerdings ist man im Ministerium auch überzeugt, dass die Dieselmotoren gerade für die langen Strecken auf dem Land weiterhin nötig sein werden. Das liege auch daran, weil vielerorts zunächst einmal eine entsprechende Ladeinfrastruktur für Busse geschaffen werden muss. Bisher investieren in Niedersachsen hier vor allem Hannover, Braunschweig und Osnabrück. Mit dem „umfangreichen Förderprogramm“ wolle man noch mehr Fahrgäste zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegen, sagt der Wirtschaftsminister, gesteht aber zugleich ein, dass hier gerade auf dem Land noch Nachholbedarf besteht. „Hier sind wir beim ÖPNV noch nicht so aufgestellt, dass wir damit zufrieden sein könnten.“ Um die Attraktivität zu erhöhen, müssten nicht nur Busse neu gekauft und Haltestellen barrierefrei gestaltet werden, sondern auch attraktive Taktangebote hinzukommen. „Ich wohne selbst im ländlichen Raum und weiß, dass die Taktung verbessert werden muss. Wo wir auf dem Land mit Schienen nicht hinkommen, müssen wir dann eben stärker auf Buslinien setzen.“ Der Dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs komme gerade auf dem Land eine entscheidende Rolle zu. „Die Versorgung mit Ärzten, Apotheken, Schulen und dem ÖPNV – das sind die entscheidenden Punkte.“ Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Detlev Schulz-Hendel, kritisierte, dass das Land erneut keine Mittel für die Inbetriebnahme von stillgelegten Bahnstrecken vorgesehen habe. „Gleichzeitig sind die vom Bund bereitgestellten Mittel für den schienengebundenen ÖPNV nicht vollständig abgerufen worden. Der Bedarf für mehr Förderung ist höher, als der Minister uns weismachen will“, so Schulz-Hendel.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #024.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter