Bernd Althusmann und Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Parteitag in Hameln - Foto: kw[/caption]
Althusmann, der Landesvorsitzende, möchte eine Wegweisung abgeben. Er will in der unübersichtlichen Lage der Bundespartei die Richtung vorgeben oder wenigstens eine Ansage machen. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Stimmungslage ist uneindeutig. In der Führungsebene der Niedersachsen-CDU gibt es starke Sympathien für den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet als neuen Bundesvorsitzenden, an der Parteibasis aber rühren sich euphorische Merz-Befürworter.
Vor wenigen Wochen wurde Merz in Verden frenetisch wie ein Erlöser gefeiert, in wenigen Wochen soll ähnliches in Wolfenbüttel geschehen. Und Althusmann? Vor anderthalb Jahren noch, bevor Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin wurde, war auch er ein Merz-Anhänger, hielt sich aber zurück. Heute befürwortet er Laschet, weil er ihm zutraut, die auseinanderdriftende CDU wieder stärker zusammenzuführen. Auch das behielt er bis zu diesem Donnerstag noch für sich.
Althusmann nimmt ein paar Anläufe
Von Althusmann ist bekannt, dass er am liebsten die Stimmung erspürt und sich dann an die Spitze einer Bewegung setzt. Aber selbst voranmarschieren? Würde der als Zauderer bekannte Landesvorsitzende das tun? Bis die deutliche Aussage fällt, dreht sich Althusmann, schraubt sich und nimmt ein paar Anläufe. Man merkt, wie er die Reaktionen in der Halle austesten will. Würde jetzt Gemurmel laut werden, oder vielleicht sogar Widerspruch? Würde ihm das Publikum mit einem ersten Applaus die geplante eigene Festlegung womöglich gar erleichtern? Zunächst reagiert die Versammlung ruhig, fast regungslos. Althusmann robbt sich an seine Kernaussage heran, redet von „stürmischen Zeiten“, in denen die Niedersachsen-CDU immer geglänzt habe, weil sie geschlossen war. Erste Aussage von ihm: Die CDU sei gegründet worden von Menschen, die unter der Gestapo gelitten hatten, daher dürfe es für die Christdemokraten „keine Zusammenarbeit mit einer rechtsextremen Partei geben“. Starker Applaus ertönt. Zweite Aussage von ihm: Vom 26. April an, einen Tag nach dem Bundesparteitag, der die Nachfolge von AKK regelt, müsse es Geschlossenheit geben – es dürfe sich nicht die Situation von Ende 2018 wiederholen, als die unterlegene Seite ihre Kritik an der neuen Vorsitzenden nicht eingestellt habe. Wieder wird Applaus laut, wenn auch nicht überschwänglich. Dritte Aussage von Althusmann, jetzt etwas deutlicher: Bei der anstehenden CDU-Wahl gehe es nicht um eine „Einmannshow“, nicht um „Eitelkeiten einzelner“, sondern um das Gemeinsame. Wieder Beifall, aber nicht übermäßig stark. Althusmann geht den nächsten Schritt, wagt sich noch weiter vor. Er wolle eine „persönliche Bemerkung zu den Bewerbern“ abgeben sagt er. Gemurmel ist die Reaktion. Aber dann bricht er seinen Satz ab und nennt noch keinen Namen, sondern schimpft zunächst auf jene, die sich über die „Hinterzimmerpolitik“ beschwert hatten – also vor allem Norbert Röttgen. Keine Reaktion im Publikum.
Althusmann tastet sich noch weiter vor. Jetzt lobt er zunächst Armin Laschet, der als Ministerpräsident „zusammenbindet“ und „ein Stabilitätsanker ist“. Aber Beifall kommt noch nicht, erst als der Landesvorsitzende auch Jens Spahn lobt, erklingt aus einer Ecke des Saales ein kurzer und kräftiger Applaus. Im Publikum ist es die ganze Zeit überwiegend still, vermutlich deshalb, weil die Delegierten nun endlich von Althusmann hören wollen, wen er zur Wahl empfehlen will. Doch der Landesvorsitzende windet sich erst noch ein weiteres Mal, kündigt erneut an, gleich eine persönliche Einschätzung abgeben zu wollen. Dann schränkt er ein, dass dies „mit Blick auf die Stimmung in der Partei vielleicht nicht die Mehrheitsmeinung sein wird“. Aber, fügt Althusmann hinzu, natürlich respektiere er jede andere Meinung, und die CDU halte es ja auch aus, wenn es mehrere Ansichten gebe.
Die ersten Zuhörer werden ungeduldig, soll er nun doch endlich sagen, was er meint sagen zu müssen. Dann endlich, nach etlichen rhetorischen Schleifen, die der CDU-Landesvorsitzende geflochten hat, kommt sein entscheidender Satz: „Das Duo aus Armin Laschet und Jens Spahn halte ich durchaus für die absolute Führungsfähigkeit in der Union.“ Das war nun die Positionierung, und da sie nach 15 Minuten von Althusmann endlich ausgesprochen wird, belohnt die Versammlung das auch mit einem ordentlichen Applaus. Kein Jubel, aber doch Zuspruch aus der Runde. Widerspruch wird nicht laut.


