Am Rande: Afrikanische Schweinepest: Risiko steigt
(rb) Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nach Deutschland ist massiv gestiegen. Das hat das für die Erforschung von Tierseuchen zuständige „Friedrich-Löffler-Institut“ (FLI) festgestellt. Die auf der Ostseeinsel Riems ansässige Einrichtung untersteht als selbstständige Bundesoberbehörde dem Landwirtschaftsministerium in Berlin. Das FLI bezeichnet das Risiko einer Einschleppung der gefährlichen Tierseuche in einer aktualisierten Einschätzung von Anfang April inzwischen als „hoch“. Grund ist die rasante Verbreitung der Schweinepest bei Wildschweinen und in Haustierbeständen in den baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland sowie in Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine. Die Afrikanische Schweinepest ist 2007 erstmals in Georgien aufgetreten und dringt seitdem immer weiter und schneller in Richtung Westen vor. Das Eintragsrisiko von ASP nach Deutschland durch illegales Verbringen und Entsorgen von kontaminiertem Material wird vom FLI als hoch eingeschätzt. Das gilt ebenso für das Risiko durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang dem Fernstraßennetz durch Fahrzeuge oder Personen. Allein in den drei baltischen Staaten und in Polen wurden in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 1903 mit ASP infizierte Wildschweine von Jägern erlegt oder tot aufgefunden. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden in den genannten Ländern bereits 651 Fälle von ASP bei Wildschweinen festgestellt. Allerdings kommt das FLI in diesem Zusammenhang zu der Einschätzung, dass dort eine „effektive Bekämpfung der ASP bei Wildschweinen bisher nicht gelungen“ ist. Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der höchsten Wildschweindichte. Der Bestand wird aktuell auf zwei Millionen Tiere geschätzt. In Niedersachsen wurden allein im Jagdjahr 2014/2015 mehr als 42 000 Wildschweine erlegt, in Brandenburg waren es 70 000, in Mecklenburg-Vorpommern 55 000 Schwarzkittel, die von Jägern abgeschossen wurden. Bundesweit wurden 2014/15 insgesamt 520 000 Wildschweine erlegt, fast 50 000 mehr als im Vorjahr. Trotz der hohen Abschusszahlen der Jägerschaft erholen sich die Wildschweinbestände von Jahr zu Jahr.
Die Zahl der in Osteuropa durch ASP getöteten Hausschweine ist hingegen nicht genau bekannt. In den Jahren 2014 und 2015 wurden im Baltikum und in Polen ASP-Ausbrüche in 82 Hausschweinebeständen registriert. Waren zunächst nur Hinterhof-, Klein- und Hobbyhaltungen betroffen, sind inzwischen auch Bestände in großen konventionellen Schweinemastanlagen erkrankt. In Litauen war beispielsweise eine Anlage mit 20 000 Schweinen betroffen. Die Tiere mussten getötet und entsorgt werden. Eine erfolgreiche Behandlung erkrankter Schweine ist nicht möglich. Die Tierseuche gilt für Menschen als ungefährlich. Es bestehe das Risiko einer Einschleppung in weitere Länder der Europäischen Union, stellt das FLI fest. In Produkten aus nicht durchgegartem Fleisch infizierter Schweine, wie zum Beispiel Schinken oder Salami, und über Fahrzeuge, die aus betroffenen Regionen zurückkehrten, könne das Virus weiter verbreitet werden. Besonders das illegale Verfüttern oder unsachgemäße Entsorgen von Speiseabfällen stelle eine Infektionsquelle dar.
Das Löffler-Institut warnt vor den Folgen von ASP in Deutschland. Da es keinen wirksamen Impfstoff gegen die Tierseuche gibt, müssten alle infizierten und ansteckungsverdächtigen Schweine getötet werden. Es komme dann zu hohen wirtschaftlichen Schäden, da zudem die Europäische Union mit langanhaltenden Sperrmaßnahmen reagiere. Der Handel mit Schweinen und Schweinefleischprodukten käme größtenteils zum Erliegen. Bei einem ASP-Ausbruch in Deutschland könnte es zu Schäden in Milliardenhöhe kommen. Allein im Agrarland Niedersachsen werden etwa 8,8 Millionen Schweine gehalten. Tausende Menschen arbeiten in der Verarbeitung von Schweinefleisch, auf Schlachthöfen, in Wurstfabriken und im Handel. stuDieser Artikel erschien in Ausgabe #78.