27. Nov. 2016
Kommentar

Auf das Herz folgt der Kopf

Darum geht es: Die Niedersachsen-CDU hat einen neuen Vorsitzenden, auf David McAllister folgt sein langjährige Gefährte Bernd Althusmann. Dazu ein Kommentar von Klaus Wallbaum: Der stärkste Auftritt beim Landesparteitag in Hameln war der des neuen Stars der Partei: Als Bernd Althusmann vor das Rednerpult trat, noch vor seiner Wahl zum Vorsitzenden, zog er alle Register seiner Redekunst: ein schwungvoller Vortrag, eine klare Gliederung der Themen, eine deutliche Zuspitzung seiner Thesen. Althusmann vermittelte den Eindruck, in allen Bereichen gut Bescheid zu wissen. Das ist immer schon seine Stärke gewesen: Er ist sattelfest in den Inhalten und damit auch sicher in seiner Urteilsfindung. Das verleiht diesem Mann, der wie ein Hüne wirkt, ein besonderes Profil als kraftvolle Figur. https://soundcloud.com/user-385595761/3-fragen-an-bernd-althusmann Für die CDU ist das ein Hoffnungszeichen, denn eine lange Übergangszeit geht nun zu Ende. Nach der Niederlage bei der Landtagswahl vor dreieinhalb Jahren ist der Landesverband zwar geschlossen geblieben. Das wurde von mehreren Rednern in Hameln hervorgehoben, und es stimmt auch. Aber der Landesvorsitzende David McAllister verabschiedete sich von der Landespartei immer stärker in dem Maße, in dem er sich mehr und mehr seiner neuen Aufgabe im Europäischen Parlament widmete. Im Landtag leistete Björn Thümler als Oppositionsführer einen guten Job, auch wenn intern schnell klar war, dass er als starke Führungsfigur der Partei nicht in Frage kommen will. Das Vakuum, das McAllister zunehmend hinterließ, füllte vor allem Generalsekretär Ulf Thiele. Diese Konstellation war gut für eine solide, ordentliche Arbeit – nicht aber für Aufbruch und Erneuerung. Das kann nun mit Althusmanns Wahl anders werden. [video width="640" height="352" mp4="https://www.rbnds.de/wp-content/uploads/WhatsApp-Video-2016-11-26-at-14.25.39.mp4"][/video] Aber mit dem Wechsel ist auch ein mentaler Wandel verbunden. Es geht McAllister, der Liebling der Partei. Er kann leidenschaftlich reden und streiten, hat ein hervorragendes Gespür für Stimmungen – und lebt für die Politik. Die CDU, die er acht Jahre lang geführt hat, war für ihn immer auch so etwas wie Familie. Zum Ende seiner Abschiedsrede schossen ihm Tränen in die Augen – das war nicht gespielt, sondern echte Rührung. Es kommt Bernd Althusmann, der mit klaren Analysen und knallharten Angriffen agieren kann, basierend auf Konzepten, von denen er die meisten vorher lange durchdacht hat. McAllister macht Politik mit dem Herzen, Althusmann mit dem Kopf. Gut wird es nur, wenn beides kombiniert wird. Man kann Strömungen und Meinungen noch so gut spüren, es hilft nichts, wenn man keine Antworten für die wichtigen Probleme hat. Man kann umgekehrt noch so gute Programme haben, sie sind dann nicht umsetzbar, wenn sie den Menschen gerade nicht vermittelbar sind. Althusmanns Start beim Parteitag ist gelungen, die Inszenierung war lange vorbereitet und gut umgesetzt. Ob er auf Dauer so mit der Partei verbunden sein wird, wie es für McAllister immer gegolten hat, hängt vor allem vom Team ab, das der neue Vorsitzende um sich schart. Als Einzelkämpfer jedenfalls wäre er verloren.   Mail an den Autor dieses Kommentars
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #216.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning