Ralf Abrahms (68), seit 2002 hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Bad Harzburg, ist künftig nur noch einfaches Ratsmitglied. Bei der Direktwahl am 13. September durfte der Grünen-Politiker altersbedingt nicht noch einmal antreten, die Wahl entschied die CDU-Kandidatin Stefanie Hertrampf für sich. Damit geht in der beschaulichen Harz-Stadt eine Epoche zu Ende. 24 Jahre lang stand Abrahms an der Spitze der Stadtverwaltung. Bei seiner ersten Wahl erhielt der Grünen-Kandidat 53 Prozent, die beiden folgenden Wiederwahlen endeten so, dass für ihn jeweils mehr als 60 Prozent der Bürger waren. Er war der erste Grüne in einer leitenden Position in einer niedersächsischen Stadt - und damit sozusagen ein Vorreiter. Abrahms, den viele mit seinem Spitznamen "Charly" ansprechen, ist ein wahres Urgestein der Grünen. Er zählte zu den Mitbegründern der Partei, wurde 1981 in den Stadtrat gewählt, hatte dann einige Jahre später Funktionen beispielsweise als Dezernent in Halberstadt. Bei seinem politischen Start hatte er lange Haare und Vollbart, verkörperte also ein Image, das viele mit Blick auf die Grünen als abschreckend empfunden hatten. Es passte zu einem bis dahin unsteten Lebensweg mit drei Schulverweisen, zweimaligem Sitzenbleiben und einem verpatzten Abitur, das er später nachholen konnte. Ausführlich schilderte das jüngst der Reporter André Dolle von der "Braunschweiger Zeitung", der ihn lange journalistisch begleitet hat. Als Bürgermeister war Abrahms eine Idealbesetzung - ehrgeizig, kommunikativ und lösungsorientiert. Zwar hatte er auch eine Karriere in Landtag oder Bundestag nicht ausgeschlossen, es kam aber nicht dazu. Seiner Beliebtheit in Bad Harzburg tat das keinen Abbruch. Heute gehört er zu den "Realos" bei den Grünen, zu der Sorte Kommunalpolitiker, die sich für wirksame Verwaltungsarbeit interessieren und weniger für ideologische Spielchen wie die Gender-Sprache. In der "Braunschweiger Zeitung" kündigte er an, bald mit seinem Tübinger Kollegen Boris Palmer gemeinsam wandern gehen zu wollen. Sie sind sich ähnlich, auch in ihrem Revoluzzerhaften - beispielsweise wenn es darum geht, quer zur Parteilinie zu liegen.


