23. Apr. 2018
Kommentar

Batterieproduktion in Deutschland: Die Zeit läuft uns davon

Darum geht es: EU-Energiekommissar Maroš Šefčovič und Ministerpräsident Stephan Weil haben das gemeinsame Interesse am Aufbau einer starken europäischen Batteriezellfertigung hervorgehoben. Weil plädierte auf der Hannover-Messe für finanzielle Anreize seitens der EU. Ein Kommentar von Martin Brüning. Wer baut eigentlich die Motoren der Zukunft? Und vor allem: wo werden Sie gebaut? Er sei davon überzeugt, dass Deutschland in Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten und der Industrie gut gerüstet sei, um Europas Führungsrolle bei der Batterietechnologie zu prägen und voranzutreiben, sagte Šefčovič gestern auf der Hannover-Messe. Eine Führungsrolle lässt sich allerdings auch mit Ingenieurwissen prägen und bedeutet nicht zwingend eine Produktion im größeren Ausmaß im eigenen Land. Denn eine Fertigung von Batteriezellen in Deutschland erscheint derzeit aus Kostengründen eher unrealistisch. Der Autozulieferer Continental denkt aktuell darüber nach, eine Akku-Fertigung für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Drei Milliarden Euro könnte man als Konsortium dafür investieren, um dann jedes Jahr eine halbe Million E-Autos mit Batterien zu bestücken. Deutschland kommt für Continental-Chef Elmar Degenhart dabei als Standort allerdings nicht in Frage. Als Beispiele nannte er die südkoreanischen Unternehmen LG und Samsung, die kleine Werke in Polen und Ungarn hochzögen. Dort sei der Strom 50 Prozent günstiger. Bereits im Mai hatte Degenhart bei den Niedersächsischen Wirtschaftsgesprächen im Schloss Herrenhausen in Hannover deutlich gemacht, wo er sich die Batterieproduktion der Zukunft nicht vorstellen kann: „Fabriken zur Herstellung von Batteriezellen werden nicht bei uns in Deutschland entstehen. Wie soll das bei den Energiekosten funktionieren? Wir wären dem heutigen Stand zufolge nicht wettbewerbsfähig“, sagte Degenhart. Auch Bosch hatte Ende Februar angekündigt, keine Produktion für Batteriezellen in Deutschland aufzubauen. Denn bei den Zellen haben Unternehmen in Asien bereits eine Führungsposition aufgebaut, die nahezu uneinholbar erscheint. Auch EU-Subventionen für Batteriefabriken konnten die Bosch-Manager nicht beeindrucken. Der neue Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess wiederum hatte einmal die Idee in den Topf geworfen, dass ein Bündnis verschiedener Hersteller eine europäische Batteriezellfabrik bauen könnte. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland und Europa durchaus Pläne für sogenannte Giga-Fabriken für Batterieproduktion. Wie ernst sie allerdings zu nehmen sind, ist noch offen. Es stellt sich schon die Frage, ob der Zug für Deutschland bei der Batterieproduktion schon abgefahren ist, bevor er überhaupt Fahrt aufnehmen konnte. Denn jeder Betriebswirt, der sich die mögliche Finanzierung genauer ansieht, stolpert immer wieder über die Stromkosten. Insofern hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil vollkommen recht, wenn er mögliche Ausnahmen bei der EEG-Umlage anspricht. Die Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion macht allerdings das Problem deutlich: „Einzelne tatbestandliche Voraussetzungen, unter denen in einem komplexen regulatorischen System mit sehr differenzierten Detailregelungen eine Begrenzung der EEG-Umlage erreicht werden könnte, sind vom Ministerpräsidenten bewusst nicht angesprochen worden“, heißt es. Das Ministerium verweist auf die bereits jetzt schon hochkomplexen Ausnahmeregelungen und kommt zum Schluss: „Klar ist, dass solche Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft in für Deutschland neue technologische Prozesse nicht fördern und die Rahmenbedingungen für eine Batteriezellenproduktion in Deutschland - wie vom Ministerpräsidenten angesprochen - insoweit durchaus noch optimiert werden könnten.“ Neun von zehn Batteriezellen werden inzwischen von asiatischen Unternehmen produziert. Haben wir noch Zeit zum Optimieren oder ist die Uhr schon abgelaufen? Mail an den Autor dieses Kommentars
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #77.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning