14. Sept. 2020
Wirtschaft

CDU-Fraktionschef übt scharfe Kritik am Volkswagen-Management

In der Aussprache zur Regierungserklärung, die Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gestern im Landtag gehalten hatte, hat CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer ein düsteres Bild der Lage wichtiger niedersächsischer Unternehmen gezeichnet. Es ging um die Lage in der seit Mitte März andauernden Corona-Pandemie. Toepffer sagte, die Veranstaltungsbranche und die Messebauer, die gegenwärtig keine Beschäftigung hätten, sollten Übergangshilfen bekommen – das Land müsse dafür sorgen, dass ihnen zwischenzeitlich nicht die Luft ausgehe. Was die Hannover-Messe angehe, mache er sich größere Sorgen, denn das internationale Publikum werde womöglich auf Dauer nicht so stark zu Besuch nach Hannover kommen wie früher. „Ich weiß noch nicht genau, wie wir das organisieren sollen, aber wir müssen hier in der Anpassung helfen“, sagte Toepffer. Unklar sei auch, wie der Flughafen Hannover-Langenhagen angesichts schwindender Auslandsflüge sein Konzept entwickeln könne. Zugleich übte der CDU-Fraktionsvorsitzende massive Kritik an der Strategie von Volkswagen zur Einführung der Elektromobilität. Es sei „aberwitzig“, wenn der Konzern einerseits für den Verkauf neuer Autos werbe, diese aber zwölf Monate lang nicht liefern könne. „Die Nachfrage anzukurbeln, ohne das Angebot bereitstellen zu können – das ist kein kluger Weg und sollte im Aufsichtsrat von Volkswagen einmal nachgearbeitet werden“, rief Toepffer.
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Die Regierungserklärung drehte sich um die Frage, wie Niedersachsen ein halbes Jahr nach Ausbruch der Pandemie aufgestellt ist. Weil erklärte, Deutschland sei gut durch die Krise gekommen, innerhalb der Bundesrepublik schneide Niedersachsen „überdurchschnittlich gut ab“. Seit drei Wochen kreise die Zahl der täglichen Neuinfektionen um 100 – wegen der verstärkten Tests, etwa für Urlaubsrückkehrer. Weil kündigte die personelle Verstärkung der Gesundheitsämter an und versicherte, bis zu den Herbstferien könnten sich die Lehrer im Lande zweimal ohne Anlass testen lassen. Die nächste Änderung der Corona-Verordnung sei für den 1. Oktober geplant, dabei gehe es um den Grundsatz: An der frischen Luft ist keine Maske nötig, es sei denn, der Abstand zum Nachbarn unterschreitet 1,50 Meter. In geschlossenen Räumen soll man eine Maske tragen – es sei denn, der Mindestabstand ist gewährleistet oder pädagogische Gründe sprechen gegen die Mund-Nasen-Bedeckung. Auch den Saalbetrieb in Gaststätten solle in bestimmten Grenzen wieder möglich werden – auch wenn „von einer Rückkehr zu den gute alten normalen Zeiten nicht ausgegangen werden kann“. Die SPD-Fraktionschefin Johanne Modder meinte, es sei schwer zu erklären, warum gegenwärtig eine Hochzeitsfeier mit 50 Personen erlaubt sei, aber nicht eine Feier zum 80. oder 90. Geburtstag. Besondere Aufmerksamkeit verdienten derzeit vor allem die Auto-Zulieferindustrie, die unter dem internationalen Abbruch der Lieferketten leide, und die Schiffbauindustrie. https://www.youtube.com/watch?v=Gcdk8Pri8BM Helge Limburg, Grünen-Fraktionsgeschäftsführer, warf der Regierung vor, die Veranstaltungsbranche in ihrer vollen Breite nicht genügend in den Blick zu nehmen: „Das ist doch mehr als Fußballspiele, Kinos und Weihnachtsmärkte.“ Außerdem warte man immer noch auf eine Positionierung der Großen Koalition zu den Forderungen des DGB nach einem großen Investitionsprogramm. Sein Grünen-Kollege Christian Meyer meinte, der Bußgeldkatalog sei „unverhältnismäßig“, wenn Schwarzfahren mit 50 Euro geahndet werde, das Vergessen der Maske im Bus aber mit 150 Euro.
Diese Ungewissheit radikalisiert viele Gegner der Einschränkungen.
FDP-Fraktionschef Stefan Birkner warf SPD und CDU vor, sie hätten „seit der Sommerpause nichts auf den Weg gebracht“. Seit Wochen würden Lockerungen der Verordnung und eine neue Teststrategie angekündigt, stets aber wieder verschoben. Die Kriterien, woran die Landesregierung die Einschränkungen messe – etwa der Schutz der Kliniken vor Überlastung oder ein Übersteigen der Neuinfektionen einer Marke von 100 am Tag – blieben unklar. „Diese Ungewissheit radikalisiert viele Gegner der Einschränkungen“, meint Birkner. Klaus Wichmann (AfD) rügte, viele Wirtschaftshilfen seien kontraproduktiv, wenn Nutznießer bereits seit längerem  nicht lebensfähige „Zombiefirmen“ seien, die „fleißig Waren und Dienstleistungen bestellen, sie aber später nicht werden bezahlen können“. https://www.youtube.com/watch?v=na5vq_UTV50 CDU-Fraktionschef Toepffer nutzte die Debatte, um grundsätzliche Fragen aufzuwerfen: Man müsse schauen, wie die Menschen, die 2020 wegen Corona in Niedersachsen Urlaub gemacht haben, sich hier auch künftig wieder hingezogen fühlen. Man müsse über „Familienzentren“ nachdenken, in denen die Schüler mit Computertechnik umgehen können, die zuhause in dieser Weise von ihren Eltern nicht gefördert werden. Und man müsse allmählich klären, welche politischen Pläne gestrichen und wo Ausgaben gekürzt werden können: „Wir blenden zu schnell aus, dass die Corona-Schulden 25 Jahre lang abbezahlt werden müssen.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #161.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter