Im Märchen geht es meistens schief mit dem Wünschen. Der Butt oder der Dschinn liefern, das ist nicht das Problem. Aber wie Ihnen sicher auch Ihr Systemadministrator gerne bestätigt: Das Problem ist in der Regel der Anwender, sprich: der Mensch mit seinen kleinen Wünschen und großen Schwächen. „Denk besser an nichts, wenn du 'ne Sternschnuppe siehst“, empfiehlt die Band SDP (ja, die heißen wirklich so) aus bekannten Gründen in dem Lied „Pass auf, was du dir wünschst.“

Jetzt können Sie sich den SPD-Landeschef Olaf Lies wahlweise in der Rolle des Butt oder des Dschinn vorstellen. Denn auch bei der SPD dürfen Sie sich etwas wünschen, wie Sie heute im Rundblick lesen: Nicht nur Mitglieder, sondern alle Niedersachsen dürfen Ideen für das Programm beisteuern, mit dem die SPD 2027 die Landtagswahl gewinnen will (schon einmal mutig „Regierungsprogramm“ betitelt). Böse Zungen könnten jetzt sagen: Wem seine Kernwählerschaft abhandengekommen ist, der kann auch gleich alle mitmachen lassen. Aber nehmen Sie die SPD doch mal beim Wort und fragen sich, was Sie sich wünschen. Bezahlbares Wohnen? Verlässlichen Nahverkehr? Oder vielleicht Kinderbetreuung, die Ihre Arbeitszeiten abdeckt? Und glauben Sie, dass die Landes-SPD oder eine andere Partei Ihrer Wahl da liefern kann? Eben. Die Linken-Wähler in Berlin sehen gerade ihren Traum, im großen Stil Wohnungen zu vergesellschaften, in einer Realität aufschlagen, in der man Koalitionen bilden und Kompromisse schließen muss. Vielleicht ist es besser so. Pass auf, was du dir wünscht.
Als Rundblick-Leserin oder -Leser kennen Sie eine Menge Geschichten von missglückten Wünschen. War es ein Butt, der Millionen an Landesförderung in die Kliniken in Brake und Salzgitter gesteckt hat, die dann doch kurz darauf geschlossen wurden? Hat eine Fachärztin an einer Wunderlampe gerubbelt und sich gewünscht, dass sie eine Extra-Vergütung für Spontantermine bekommt – weswegen jetzt alle Langzeit-Patienten noch länger auf ihre Untersuchung warten müssen? Eine Menge Leute haben wahrscheinlich „Bürokratieabbau!“ über die unruhige See gebrüllt (ich glaube, ich habe einen Schrei aus dem Wissenschaftsministerium gehört) – und damit nicht den Butt, sondern entsetzte Denkmalschützer und den Landesrechnungshof auf den Plan gerufen.
Soll man sich deswegen nichts mehr wünschen? Doch, klar. Aber wenn jeder nur seine Wünsche hinausposaunt, kommen wir auch nicht weiter als dem Fischer seine Frau. Also, falls die SPD der Wunscherfüller Ihrer Wahl ist: Vielleicht machen Sie sich doch persönlich auf den Weg ins Kurt-Schumacher-Haus und diskutieren mit den Genossen, wo und für wen sie stehen und was ihre Vision für die Zukunft ist. Das scheint mir aussichtsreicher, als Fischen und Lampen zu vertrauen.
In der heutigen Ausgabe geht es gleich weiter mit der SPD:
Ich wünsche Ihnen heute ein paar wunschlos glückliche Momente!
Ihre Anne Beelte-Altwig

