„Öffnet die Türen der Hotels, die gerade leer stehen. Schützt diese Menschen vor der Kälte und Corona-Infektionen“, fordert DGB-Chef Mehrdad Payandeh - Foto: DGB Nds., Calado[/caption]
Eva Thalmeier, Sprecherin der Landesarmutskonferenz Niedersachsen, wies darauf hin, dass gerade viele wohnungslose Menschen zur Corona-Risikogruppe gehörten. Es werde an die Menschen appelliert, zuhause zu bleiben. „Zuhause bleiben kann aber nur der, der ein Zuhause hat. Es ist die Pflicht der Politik, die Verwundbarsten zu schützen und Gesundheitsrisiken zu minimieren“, machte Thalmeier deutlich.
Sie forderte, die Unterauslastung im Hotelgewerbe zu nutzen und die Zimmer Obdachlosen zur Verfügung zu stellen. Dabei sollten nicht nur Mehrbettzimmer, sondern wegen der Infektionsgefahr auch Einzelzimmer angeboten werden. Wichtig sei zudem, die Zimmer gerade im Winter auch tagsüber für die Menschen ohne Wohnung zu öffnen. Es gebe in Niederachsen zwar eine Vielzahl von Angeboten für Wohnungslose, zugleich fehlten aber gerade einfach die Möglichkeiten, allen zu helfen. „Deshalb müssen auf allen Ebenen Mittel bereitgestellt werden, Kürzungen darf es nicht geben“, so Thalmeier.
Wir sind seit zehn Jahren massiv mit dem Problem konfrontiert, dass die Zahl der bezahlbaren Wohnungen zurückgeht.
Wohnungslosigkeit ist laut Payandeh zugleich eine langfristige Herausforderung. „Wir sind seit zehn Jahren massiv mit dem Problem konfrontiert, dass die Zahl der bezahlbaren Wohnungen zurückgeht“, stellte der DGB-Landesvorsitzende fest. Er appellierte an die Landesregierung, an dieser Stelle keine Gelder zu kürzen. „Wohnungsversorgung ist ein Menschenrecht. Das gilt auch für die Menschen, die nichts haben.“ Um das Thema Wohnungslosigkeit strukturell anzugehen, verwies der DGB auf die Initiative „Housing first“, die es seit den 90er Jahren in den USA gibt.
https://soundcloud.com/user-59368422/presseclub-podcast-das-resumee-2020
Professor Dr. Eckart Güldenberg, Vorsitzender der Stiftung „Ein Zuhause“, erklärte, eine eigene Wohnung sei die Voraussetzung dafür, das Leben zu bewältigen, sie setze viele Schubkräfte frei. Die Erfahrungen von „Housing first“ zeigten, dass im Anschluss mindestens acht von zehn Menschen ihre Wohnungslosigkeit dauerhaft aufgeben und auch wieder Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Das mache dieses Konzept auch für den Staat günstiger, erklärte der Architekt, der am Institut für Umweltplanung an der Universität Hannover lehrt.
In einem gemeinsamen Papier fordern DGB, die Stiftung „Ein Zuhause“ und die Landesarmutskonferenz unter anderem ein Landesprogramm für Wohnungslose im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung, das eine zuschussbasierte Förderung des Landes beinhalten soll. Darüber hinaus soll das Finanzierungsrisiko von „Housing-First“-Projekten durch Landesbürgschaften abgesichert werden. „Gerade nicht gewinnorientierte Träger haben oft kein Vermögen, das zur Sicherheit bei Darlehen genutzt werden kann“, heißt es in dem Papier.


