Kriterium sollte Menschenrechtslage sein
Rundblick: Die Bedrohung nimmt auch zu, damit auch der Wehretat des Bundes…Meister: Ja, aber was mich nachdenklich stimmt, ist das Auseinanderfallen von Verteidigungs- und Entwicklungshilfeetat. Die Nutznießer des Rüstungsexports, in nenne mal Saudi-Arabien, sind bisher nicht aufgefallen als diejenigen Regionen, die sich weltweit mit Friedensaktivitäten besonders hervorgetan haben. Das entscheidende Kriterium für die Genehmigung von Rüstungsexporten sollte die Menschenrechtslage im Empfängerland sein. Wer nun einwendet, dass es auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie geht, dem muss ich entgegnen: Der Erhalt von Menschenleben und die Konfliktvermeidung liegen ethisch eindeutig über der Sicherung von Arbeitsplätzen.Rundblick: Also ein klares Nein zu Rüstungsexporten von Ihnen?Meister: Ich bin nicht kategorisch gegen Rüstungsexporte. Aber es muss eine Begründungspflicht dafür geben. Wenn die Exporte der Förderung des Friedens dienen, sind sie vertretbar. Wenn nicht, dann nicht.
Der Erhalt von Menschenleben und die Konfliktvermeidung liegen ethisch eindeutig über der Sicherung von Arbeitsplätzen.
Landesbischof Ralf MeisterRundblick: Welche Erwartungen haben Sie an die Landesregierung in Niedersachsen?Meister: Wir haben mit Rheinmetall in Unterlüß einen großen Rüstungsproduzenten bei uns im Land. Die Landesregierung sollte eine öffentliche Debatte über die Rüstungsexporte fördern. Es geht um die Verantwortung: Dient das, was dort hergestellt wird, dem Frieden und der Entwicklung in der Region, in die es geliefert wird? Oder dient es nur geopolitischen Interessen, die nicht den Frieden und die gute Entwicklung der Bevölkerung im Sinn haben?Rundblick: Wird das Thema bisher von der Landesregierung eher verschwiegen?Meister: Jedenfalls hat die Diskussion über Rüstungspolitik nicht die Plattform, die sie braucht. Es geht immerhin um Kriegsgerät. Wenn irgendwo ein Leopard-II-Panzer im Einsatz ist, etwa in der Türkei oder Saudi-Arabien, müssen wir begründen können, warum er dorthin geliefert worden ist. Wir brauchen eine offene und kritische Debattenkultur zu dieser Frage – ich erlebe sie leider noch nicht.

