Ex-Außenminister Sigmar Gabriel, der Historiker Prof. Hans-Heinrich Nolte und der ehemalige Kultusminister Rolf Wernstedt (v.l.n.r.) bei einer Pressekonferenz in Hannover - Foto: MB.[/caption]
Zwischen Gabriel und dem Historiker Hans-Heinrich Nolte gibt es unterschiedliche Positionen zu der Frage, ob die EU sich an ihrer Ostgrenze stärker engagieren soll oder nicht. Nolte empfiehlt, die EU solle jegliche Pläne einer Osterweiterung aufgeben und den osteuropäischen Staaten, auch der Ukraine, so die Chance zur Bildung eigener Machtbündnisse bieten. Gabriel entgegnete, ein Rückzug der EU aus Serbien, dem Kosovo und dem Westbalkan öffne dem IS oder China die Chance, dorthin vorzudringen – die Situation drohe also unsicherer zu werden. Nolte plädierte zudem um Verständnis dafür, dass die Demokratie in Russland noch nicht entwickelt sei wie im eingespielten Westen und dass sich autoritäre Regierungen durchgesetzt hätten, auch wenn der Parlamentarismus funktioniere. Wernstedt erklärte, man müsse mit der Unterstellung aufhören, dass US-Politik „ausschließlich ethisch motiviert“ und russische Politik unter Putin „prinzipiell freiheitfeindlich“ sei. Der frühere Landtagspräsident sieht allerdings schon, dass der Dialog mit russischen Vertretern – beispielsweise im Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge – schwieriger werde. Die hierzulande verbreitete Vorstellung, dass Soldaten im Krieg nicht nur als Helden, sondern auch als Täter angesehen werden können, stoße in Russland zunehmend auf Unverständnis.
Hans-Heinrich Nolte/Rolf Wernstedt (Hrsg.): Russlandbilder – Deutschlandbilder, ISBN: 978-3-7881-2036-8, 29,60 Euro.

