Ich habe den Eindruck, die Bürger kommen gern mit der Polizei ins Gespräch.
Rundblick: Deshalb haben Sie mit Kerstin Kornettka auch eine Journalistin zur Leiterin Ihrer Pressestelle gemacht.
Kluwe: Durch den neuen Umgang mit unseren Informationen muss derjenige, der die Pressestelle leitet, ein Gespür dafür haben, an welchen Themen ein öffentliches Interesse besteht und auf welchen Kanälen diese Informationen transportiert werden müssen. Die klassische Polizeiausbildung zielt aber mehr darauf ab, Polizisten dafür zu sensibilisieren, Dienstgeheimnisse zu bewahren und den Datenschutz einzuhalten. Wie Sie schon sagten, ist Polizeiarbeit mit Blick auf Informationsweitergabe im Grunde zurückhaltend angelegt. Von dieser Zurückhaltung wollen und müssen wir in der Öffentlichkeitsarbeit wegkommen, ohne dabei die rechtlichen Vorgaben aus den Augen zu verlieren. Mit der polizeilichen Sozialisierung werden wir das aber nicht schaffen, denn man müsste die Beamten zusätzlich auch zu Journalisten ausbilden. Da die Polizisten in der Regel aber nicht jahrzehntelang in der Pressestelle bleiben, ist eine Doppelqualifikation nicht sinnvoll. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, die Pressestelle künftig nicht mehr nur mit Polizisten, sondern auch mit Journalisten zu besetzen.
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Rundblick: Sie haben zudem ein vierköpfiges Social-Media-Team ins Leben gerufen, das die Bürger via Facebook, Twitter und seit vorvergangener Woche auch bei Instagram mit Informationen versorgt, die normalerweise über die Presse gegangen wären. Tritt die Polizei damit nicht in Konkurrenz zu den Medien? Kluwe: Auch wenn einige Medien diese Gefahr sehen, wollen wir keine Konkurrenz sein, unsere Initiative ist nicht mit Hintergedanken verbunden. Wir stellen weiterhin alle unsere Tagesinformationen den Medien zur Verfügung. Auch posten wir nicht jedes Ereignis auf unseren digitalen Kanälen, sondern nur die, die für unsere Zwecke wichtig erscheinen. Das sind zum Beispiel Inhalte zu unserer Kampagne zum Einbruchsschutz. Das kam sehr gut an und auch die Medien haben immer wieder Teile davon aufgegriffen. Rundblick: Wie kommt das Informationsangebot denn bei den Bürgern an? Kluwe: Die Resonanz ist groß. Ich habe den Eindruck, die Bürger kommen gern mit der Polizei ins Gespräch. Das merkt man an den vielen Reaktionen und Kommentaren in den Sozialen Medien, aber auch außerhalb des Internets. Zu unserem letzten Tag der offenen Tür kamen rund 15.000 Menschen. Der direkte Kontakt in den Sozialen Medien nutzt uns aber auch in besonderer Weise. So können wir zum Beispiel über Twitter Fußballfans zeitnah informieren, wo gerade Straßen gesperrt sind, erklären, warum an einem bestimmten Ort gerade so viele Beamte stehen und vor allem können wir mit Sachinformationen Spekulationen entgegentreten. Das haben wir zum Beispiel bei den Demonstrationen zum Newroz-Fest Mitte März gemacht. Dabei sind viele Falschinformationen verbreitet worden und wir haben über die sozialen Medien versucht, die sich hochschaukelnden Diskussionen wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. Rundblick: Nun stehen Sie mit Ihrer Vision über die zukünftige Öffentlichkeitsarbeit der Polizei nicht allein. Auch eine Arbeitsgruppe im Innenministerium ist zu dem Schluss gekommen, dass die neuen Medien der Polizei nutzen, und hat 33 Empfehlungen zur Verbesserung der polizeilichen Kommunikation herausgegeben. Kluwe: Das ist richtig, uns kommen diese Empfehlungen zupass, weil wir uns zum richtigen Zeitpunkt neu aufgestellt haben und deshalb den Großteil der Empfehlungen schon umsetzen konnten. Aber wir werden mit dieser Strategie nicht allein bleiben, die anderen Polizeidirektionen werden die Empfehlungen früher oder später auch umsetzen. Offen ist nur, wann. Rundblick: Wie kommen die Veränderungen denn innerhalb der Polizei an? Haben Sie Kritik für den neuen Kurs einstecken müssen? Kluwe: Kritik nicht, eher Zurückhaltung vor dem Unbekannten, das da kommt. Aber das ist auch eine Generationenfrage. Junge Kollegen – und die sind in meiner Direktion überproportional vertreten – stehen dem Thema offener gegenüber als ältere Beamte. Aber das ist wie damals, als das elektronische Vorgangsbearbeitungssystem „Mikado“ bei der Polizei eingeführt wurde. Für die älteren Polizisten war „Mikado“ Teufelszeug. Aber letztlich haben sich doch alle daran gewöhnt, genauso wie an das Nachfolgeprogramm „Nivadis“.


