Stephan Weil und Martin Schulz haben beide auf Parteitagen 100 Prozent der Stimmen bekommen, dennoch gibt es zwischen ihnen einen entscheidenden Unterschied: Weil hat noch alle Chancen
Das liegt auch daran, dass die Wahl in Niedersachsen nach wie vor völlig offen ist. CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann ist bisher den Beleg dafür schuldig geblieben, dass er das Land besser führen kann als Weil. Beobachter sind teilweise erstaunt und fragen sich, ob Althusmann mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Das macht Weil den Wahlkampfstart leichter. Die aktuelle Schwäche der SPD, die sich aus dem Regierungshandeln ergibt, wird nicht automatisch zur Stärke der CDU. Die Abstände beider Parteien in den Umfragen sind nicht so groß, als dass es bis Mitte Oktober nicht noch relevante Verschiebungen zugunsten der SPD geben könnte. Sollte die SPD am Ende doch als erster durchs Ziel gehen, ergeben sich für ihn neue Möglichkeiten. Selbst wenn es für Rot-Grün nicht reichen sollte, ein mögliches Ampelbündnis würde zumindest nicht an Weil scheitern.
in kampflustige Rede, viel Applaus und ein 100 Prozent-Ergebnis bei der Wahl zum Spitzenkandidaten geben Weil nun Rückenwind. Seine Angriffe auf die CDU waren ein guter Stimmenfänger bei den Delegierten des SPD-Parteitags. In der Welt außerhalb von Parteitagen wird das dagegen keine große Rolle spielen. Hier wird es zum einen darauf ankommen, wie Weil seine Pläne für die kommenden fünf Jahre beschreiben kann. Wer genügend Wohnraum, bessere Internetverbindungen auf dem Land und eine bessere Unterrichtsversorgung verspricht, der muss sich immer fragen lassen, was er denn eigentlich in den vergangenen Jahren in der Regierungsverantwortung gemacht hat. Auf der anderen Seite wird Weil im Wahlkampf seine Stärken ausspielen können. Er ist auch nach viereinhalb Jahren als Ministerpräsident auf dem Boden geblieben, kann gut zuhören, wirkt empathisch.
Der SPD-Parteitag hat deutlich gemacht, dass das Rennen in Niedersachsen trotz aller Fehler der Landesregierung in den vergangenen Monaten alles andere als entschieden ist. Stephan Weil und Martin Schulz haben beide auf Parteitagen 100 Prozent der Stimmen bekommen, dennoch gibt es zwischen ihnen einen entscheidenden Unterschied: Weil hat noch alle Chancen.
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