Der CDA-Landesvorsitzende Max Matthiesen betont, das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung müsse erhalten bleiben. Wenn das so sein soll, berichtet Geschäftsführer Jan Miede von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover (DRV), bleiben nur wenige Stellschrauben: Man kann das Rentenniveau absenken, den Beitrag der Arbeitnehmer für die Rentenkasse (derzeit 18,6 Prozent, aufgeteilt auf Arbeitgeber und -nehmer) erhöhen, mehr Leute zur Einzahlung in die Rentenkasse verpflichten (etwa Selbstständige und Beamte), den Bundeszuschuss zur Rentenkasse (derzeit 90 Milliarden Euro) noch stärker anheben oder die Lebensarbeitszeit erhöhen (bald gesetzlich 67 Jahre). Miede selbst enthielt sich einer Empfehlung, sein Beitrag in der DRV bestehe darin, die Beschäftigten über Rehabilitation und Prävention möglichst lange fit im Erwerbsleben zu halten. Hier könne noch viel verbessert werden, auch in der Kooperation von Renten- und Krankenversicherung.
Annelie Buntenbach vom DGB-Bundesvorstand sagt, auch nach 2025 solle das Niveau bei 48 Prozent bleiben, sogar über eine Anhebung müsse man nachdenken. Einen noch späteren Renteneintritt lehnt Buntenbach strikt ab: „Es gibt sehr viele Menschen, die heute schon den Beginn des Ruhestands nicht gesund erleben, ich halte einen späteren Rentenbeginn für den falschen Weg“. Der CDU-Politiker Karl Schiewerling, Vorsitzender der Rentenkommission, in der auch Buntenbach mitwirkt, äußert sich nicht klar zum späteren Renteneintritt, drückt es aber indirekt doch aus, indem er sagt: „Wir dürfen die Lasten nicht allein den Beitragszahlern aufdrücken, auch vor einem Beitrag der älteren Generation dürfen wir nicht die Augen verschließen.“ Auch bei der Erwerbstätigkeit der Frauen, sagt Schiewerling, sei noch „Luft nach oben“.
Wir neigen in Deutschland dazu, bei Reformen die künftigen Kosten zu unterschätzen.
Der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, Volker Schmidt, hält die gegenwärtige Debatte über diese Themen für schräg: „Wir neigen in Deutschland dazu, bei Reformen die künftigen Kosten zu unterschätzen.“ Ein Musterbeispiel sei die Grundrente, die zwar nun vereinbart sei, aber bei der wichtige Fragen weiter ungeklärt blieben, so die Zahl der vermutlichen Empfänger und vor allem die Finanzierung, nachdem die Finanztransaktionssteuer nicht kommen dürfte. „Das ist eine Finanzpolitik, die einer Bananenrepublik alle Ehre macht“, betont Schmidt.
Der heute moderate Rentenbeitrag und die Rentenhöhe seien nur möglich geworden, weil Deutschland seit 2000 mehr als 6 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte bekommen habe und damals die Rente mit 67 vereinbart worden sei. Heute aber stehe eine Wirtschafskrise bevor, die Beschäftigtenzahl werde eher drastisch sinken als weiter wachsen. Die private Säule der Altersvorsorge habe durch die Nullzinspolitik einen „Todesstoß“ versetzt bekommen, an diesem Flurschaden werde man noch lange leiden.
Schmidt zitiert Berechnungen, wonach der Anstieg der Lebenserwartung zwischen 2010 und 2030 bei rund sechs Jahren liegen werde. „Dann sollten wir darüber nachdenken, ein Drittel dieser Zeit für eine längere Lebensarbeitszeit einzusetzen. Wir werden um dieses Thema keinen Bogen machen können.“ Auch Christian Fühner, Landesvorsitzender der Jungen Union, unterstützt diesen Ansatz. Ein späterer Renteneintritt dürfe kein Tabu sein. Daneben müsse eine kapitalgedeckte Altersversorgung aufgebaut werden – allerdings langfristig, aber verpflichtend für junge Leute.

