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Glasfaser ist der neue Beton. Wer heute über neue Autobahnen spricht, meint häufig den Breitbandausbau. Das ist ohne Zweifel ein entscheidendes Zukunftsthema für das Land. Allein: über die Datenautobahn können wir nicht fahren. Die gute alte Autobahn aus Asphalt wird auch in der neuen digitalen Welt einen enormen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen haben. Umso wichtiger ist deren Ausbau und Instandhaltung. Dass in den kommenden Jahren in diesem Bereich viele Milliarden investiert werden sollen, bereitet Hoffnung und Sorge zugleich. Denn bereits heute ist das Land mit seinen Baustellen vielerorts nicht mehr Herr der Lage. Wer heute Tag für Tag auf den Straßen mehr steht als fährt, kann sich inzwischen durchaus die Frage stellen, ob das Land im Kampf gegen den täglichen Stau inzwischen kapituliert hat.
Die Autofahrer werden dabei mit immer neuen Problemlagen konfrontiert. Im vergangenen Jahr ging aufgrund teilweise chaotischer Baustellenplanung rund um Hamburg zeitweise nichts mehr. In diesem Herbst kam es in Hannover gleich zweimal zu Pannen bei den Bauarbeiten auf dem Südschnellweg. Auch hier waren Autofahrer im Vorfeld wieder einmal nicht korrekt informiert worden, die Koordination ließ einmal mehr zu wünschen übrig. Die Fehlplanungen rund um Hamburg und in Hannover sind inzwischen Pannen-Alltag in Niedersachsen. Nicht an allem trägt das Land die Schuld, aber es kann auch nicht in jedem Fall mit dem Finger auf andere zeigen.
Es gibt zu viele Baustellen, auf denen zu wenig passiert.
Die Probleme liegen in vielen Fällen auf der Hand. Die Planungszeiten dauern inzwischen generell zu lange. Es folgen dann zu viele Baustellen, auf denen zu wenig passiert. Das beginnt mit einem schleppenden Aufbau der Baustelle, geht über die langwierigen Arbeiten und endet mit dem ebenso langsamen Abbau der Baustelle. Von 24-stündiger Arbeit auf den Baustellen wird zwar immer wieder gesprochen, gesehen hat man bisher wenig davon. Teilweise liegt das inzwischen auch an fehlenden Fachkräften bei den Baufirmen. Die Informationen an die Autofahrer fließen oft spärlich und sind nicht immer korrekt.
Mehr als 115.000 Staukilometer und über 37.000 Stau-Stunden allein im vergangenen Jahr in Niedersachsen machen deutlich, dass das Thema in den anstehenden Koalitionsverhandlungen dringen auf den Tisch muss. Kommt es zu einer Großen Koalition, so ist zunächst einmal positiv, dass sich sowohl SPD als auch CDU für den Autobahnausbau und damit für Projekte wie die A 20 und die A 39 einsetzen und die Zeit der Verweigerungs- und Verzögerungspolitik ein Ende finden könnte. Zugleich wird aber eine bessere Koordination als bisher nötig sein. Dieses Ziel ist bisher nur im Regierungsprogramm der CDU zu finden. Dort ist nicht nur von einem intelligenten Baustellenmanagement die Rede, sondern auch von Verkehrskoordinatoren, „die als Ansprechpartner für das regionale Baustellen- und Staumanagement wirken“.
Wirtschaftsminister Olaf Lies hat einen solchen Verkehrskoordinator als „reine Symbolpolitik“ bezeichnet. Eine Person allein könne das Problem nicht lösen, das müssten die Behörden und Ministerien leisten. Diese haben in den vergangenen Jahren allerdings nicht bewiesen, dass sie sowohl die Koordination als auch einen zügigen Ablauf der Bautätigkeiten auf Autobahnen im Griff haben. Es spricht also wenig dagegen, zumindest den Versuch zu starten, mit Verkehrskoordinatoren Ordnung ins Stauchaos zu bekommen. Sonst könnten mehr Investitionen in die Infrastruktur in den kommenden Jahren anders als geplant zu einem ernsthaften politischen Problem werden.
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