(rb) Hannover. Das im Sommer 2014 unter Federführung von Umweltminister Stefan Wenzel gestartete Landesprogramm „Niedersächsische Moorlandschaften“ war nach Meinung der „Aktion Moorschutz“ zwar stark gestartet; ihm drohe aber mittlerweile, die „Puste auszugehen“, denn die Landesregierung sei bereits vor der Lobbygruppe der Landwirte „eingeknickt“. Hintergrund der Kritik der in dem Verbund vertretenen Verbände ist vor allem das geänderte Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) von Landwirtschaftsminister Christian Meyer, das den Moorschutz wieder erschwere. Ausdrücklich gelobt wird in einer ersten Bilanz vor allem die verbesserte Förderkulisse für den Moorschutz. Gefordert seien jetzt die Kommunen, diese Programme auch in Anspruch zu nehmen und gemeinsam mit Grundeigentümern, Landwirten und Verwaltungen umzusetzen. Positiv bewertet wird auch die Einrichtung des Torfersatzforums. Als Hemmnis gilt nach wie vor die Landwirtschaft. Obwohl dort der größte Teil der Treibhausgasemissionen auf Moorböden verursacht werde, habe es bislang keine ernstgemeinten Initiativen gegeben, die intensive Grünlandbewirtschaftung oder den klimaschädlichen Maisanbau auf Moorböden einzudämmen, heißt es in der Bilanz, die am Dienstag vorgelegt worden ist. Im aktuellen LROP-Entwurf werde die gängige moorschädigende Bewirtschaftung sogar ausdrücklich freigestellt. Der im LROP aufgenommene Ausgleichsmechanismus für genehmigten Torfabbau wirke erst nach vielen Jahrzehnten CO2-senkend. Die „Aktion Moorschutz“ hat eine Reihe von Forderungen an die Landesregierung gestellt, darunter auch die Einführung einer CO2-orientierten Umlage. Landwirte, die auf eine klimaschonende extensivere Bewirtschaftung umstellen, sollen aus dieser Umlage eine finanzielle Kompensation erhalten können. Das könne auch eine Möglichkeit sein, die Milchüberproduktion zurückzufahren, heißt es. Darüber hinaus sollte die Landesregierung den Blick auf ungenutzte entwässerte Hochmoorflächen richten, die bei geringem Mitteleinsatz wiedervernässt werden könnten. In einem anderen Vorschlag geht es um einen freiwilligen Kohlenstoffmarkt, mit dem Wiedervernässungsprojekte initiiert und finanziert werden könnten. Andere Bundesländer könnten hier Vorbild sein. Über Bundesratsinitiativen sollte Niedersachsen als moorreichstes Land den Moorschutz auch auf EU-Ebene zum Thema machen. Dennoch dürfe am Ende ein Stopp des niedersächsischen Torfabbaus nicht dazu führen, dass Moore in Osteuropa zerstört und von der Torfindustrie ausgeplündert werden. In jedem Fall müsse der Bedarf an Torf reduziert werden, wenigstens im Hobbybereich.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #223.