Gesundheitsgefahren für Feuerwehrleute im Moor? Innenministerium speichert die Daten
In der wochenlangen Debatte über die Frage, ob beim Moorbrand in Meppen Schadstoffe in bedenklich hoher Konzentration freigesetzt wurden, gibt es jetzt eine neue Zuspitzung: Das Innenministerium in Hannover wies die Kommunen an, die Namen der an den Einsätzen beteiligten Feuerwehrleute zu melden. Das erfuhr das Politikjournal Rundblick aus Regierungskreisen. Eine solche Verfügung gilt allgemein als höchst selten, hat aber offenbar einen fürsorglichen Charakter. Sollten beteiligte Hilfskräfte später erkranken, wäre ein Rückschluss auf ihre Beteiligung an dem Einsatz im Meppener Moor möglich. Dies könnte die ärztliche Diagnose dann erleichtern. Bisher hat die Bundeswehr strikt verneint, dass es zu Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung und die Rettungskräfte gekommen ist. Allerdings ist das Innenministerium nach Rundblick-Informationen immer noch nicht zufrieden über den Umfang der von der Bundeswehr bereitgestellten Unterlagen. Dabei geht es um die Ergebnisse der Messungen, die in den ersten Tagen des Brandes angestellt worden sein sollen. Es hält sich nach wie vor der Verdacht, dass es anfangs keine regelmäßigen Überprüfungen der Emissionen im nötigen Umfang gegeben haben könnte.
Die Bundeswehr und auch der Landkreis Emsland vertreten in ihren bisherigen Darstellungen die Ansicht, dass eine akute Gefahr für Menschen im Zusammenhang mit dem Moorbrand nicht bestanden habe. Zwar soll vereinzelt der Grenzwert für Kohlenmonoxid überschritten worden sein, dies sei aber nicht über längere Zeit gemessen worden. Während die einen dies als eine Entlastung ansehen, mutmaßen unter anderem die Grünen im Landtag, es habe die nötigen Langzeit-Messungen womöglich gar nicht im ausreichenden Maß gegeben. Zumindest liegen dem Innenministerium offenbar gewünschte Daten, die es gern von der Bundeswehr bekommen hätte, immer noch nicht vor. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet in ihrer gestrigen Ausgabe, dass der Messzug der Feuerwehr Leer noch nach dem 19. September in der problematischen Gegend im Einsatz gewesen sei. Die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks seien zu diesem Zeitpunkt aber schon aus dem Ortskern von Stavern evakuiert und nach Meppen verlegt worden. Der Grund dafür sei die starke Qualmentwicklung in Stavern gewesen – die aber für eine Evakuierung der Bevölkerung des Ortes keinen Anlass gegeben hatte. Die NOZ zitierte gestern gleichzeitig einen Bundeswehr-Sprecher, der die gemessenen Werte als „unkritisch“ für die Einsatzkräfte einstuft.
Bis zu 2000 Feuerwehr- und Hilfskräfte sind in den Wochen des Moorbrandes in Meppen im Einsatz gewesen. Sehr stark stützte man sich auf ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr und des THW. Zwar haben Vertreter des Innenministeriums öffentlich immer wieder betont, dass sich die Kommunikation mit der Bundeswehr nach anfänglichen Schwierigkeiten wesentlich verbessert habe und mittlerweile gut sei. Dass ein Teil der in Hannover erwarteten Messergebnisse aber offenkundig immer noch nicht geliefert wurde, soll Verstimmungen ausgelöst haben – die bis hinauf in die Staatssekretärsebene zu spüren gewesen sein sollen. Das Innenministerium bestätigte gestern Abend, dass es die Hilfsorganisationen zur Erfassung der Kräfte gebeten habe. Dies sei ein „feststehender Standard“, teilte ein Sprecher mit. Es gehe darum, „gegebenenfalls eintretende Schädigungen im Nachgang nachzuvollziehen“.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #178.