3. Nov. 2019
Finanzen

HannBG rutscht in die roten Zahlen

Eigentlich ist die Lage der landeseigenen „Hannoverschen Beteiligungsgesellschaft“ (HannBG) eher bescheiden – sie trägt für das Land Niedersachsen die Anteile an mehreren großen Firmen, und diese stehen fast ausnahmslos vor größeren Problemen. Aber auf der anderen Seite sind die Bedingungen gut, die Zinsen niedrig und das Land hat nicht nur gebürgt, sondern auch ein Darlehen gegeben. So ist trotz teilweise eher düsteren Aussichten die momentane Situation der 1986 gegründeten Gesellschaft nicht schlecht: „Die HannBG hat ihren Finanzbedarf im Geschäftsjahr durch Ausschüttungserlöse und die Aufnahme eines Schuldscheindarlehens beim Gesellschafter gedeckt“, heißt es im aktuellen „Geschäftsbericht 2018“, den die HannBG jetzt an den Landtag weitergeleitet hat. An anderer Stelle des Berichts heißt es allerdings auch: „Durch das wiederum negative Jahresergebnis wird das Stammkapital der Gesellschaft nicht nur vollständig aufgezehrt, sondern es kommt auch zu einer erheblichen bilanziellen Überschuldung.“ Angegeben wird hier ein Minus von 702,6 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten liegen bei 2,6 Milliarden Euro. Die „stillen Reserven“ von mindestens sieben Milliarden Euro schützten allerdings vor einer Unterkapitalisierung – und auch das operative Geschäft laufe „positiv“, wird im Bericht erwähnt.
Durch das wiederum negative Jahresergebnis wird das Stammkapital nicht nur vollständig aufgezehrt, sondern es kommt auch zu einer erheblichen bilanziellen Überschuldung.
Es sind die Landesbeteiligungen an mehreren Großunternehmen, die von der HannBG getragen werden. Einige davon befinden sich in massiven Schwierigkeiten – und bei anderen sind die Aussichten zwar nicht so trüb wie zunächst befürchtet, aber für eine Entwarnung wäre es wohl noch zu früh. Im Geschäftsjahr 2018 hat die HannBG einen Verlust von 711 Millionen Euro eingefahren. Zunächst trägt die Gesellschaft die meisten Landesanteile an VW – und hier haben „höhere Aufwendungen für Rückkauf und Nachrüstprogramme in Nordamerika“ und „höhere Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Dieselthematik“ zu Buche geschlagen. Zwar habe sich trotz der Probleme die wirtschaftliche Situation von VW „grundsätzlich weiter verbessert“. Im HannBG-Bericht wird aber hinzugefügt: „Dennoch könnten aufgrund drohender Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in Innenstädten die Autohersteller und damit auch der Volkswagen-Konzern unter Druck geraten.“ Denkbar seien kostenintensive technische Nachrüstungen. Dass der Bundesgerichtshof festgestellt hatte, Autos mit unzulässiger Abschalteinrichtung hätten einen „Sachmangel“, verstärke die Probleme noch.

HannBG konnte ihre „Sorgenkinder“ weiter halten

Die HannBG hält auch die Landesanteile an der Nord/LB. Diese seien „vollständig wertberichtigt“, allein für 2018 wurden Abschreibungen von 865 Millionen Euro vorgenommen. Die Nord/LB werde bei der Bilanzsumme und Beschäftigtenzahl „wesentlich kleiner werden und sich stärker auf regionale Märkte konzentrieren“. Da der Nord/LB-Landesanteil gegenwärtig schon keinen Wert mehr darstellt, muss die HannBG auch keinen weiteren Wertverlust bei der Landesbank mehr befürchten. Schwieriger ist die Situation bei der dritten großen Landesbeteiligung, nämlich beim 26,4-Prozent-Landesanteil am Stahlwerk in Salzgitter. Zwar hat das Unternehmen 2018 „ein außerordentlich erfreuliches Ergebnis erzielt“, schreibt die HannBG. Aber der weltweite Stahlmarkt leide unter „wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten“, für 2019 rechne man „mit einem nur halb so hohen Vorsteuergewinn“ – allerdings kalkuliert die HannBG weiter „Ausschüttungen auf moderatem Niveau“ ein. Außerdem trägt die HannBG einen 35-prozentigen Landesanteil am Flughafen Hannover-Langenhagen, den 50-Prozent-Anteil an der Hannover-Messe und Landesbeteiligungen an Galintis für Airbus (22,7 Prozent), am Eisenbahnverkehr Elbe-Weser (59,5 Prozent) und an der Niedersächsischen Gesellschaft für Sonderabfall-Endlagerung (36,7 Prozent). Die Hannover-Messe wird nach dem Cebit-Ende umstrukturiert, alle anderen sind für die HannBG nicht von zentraler Bedeutung. Einige Besonderheiten fallen im HannBG-Geschäftsbericht auf: Aus dem Sondervermögen für die Hochschulen hat das Land der HannBG einen Kredit gewährt – sie also aus dem Landesetat abgestützt. So konnte die Gesellschaft ihre „Sorgenkinder“ weiter halten, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Außerdem hat die HannBG der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalt Oldenburg ein Nachrangdarlehen für 2,5 Millionen Euro gewährt.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #193.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning