Wir fanden sehr ungewöhnlich, wie stark und wenig reflektiert Kronachers Kritik an unserer Kampagne war - Stefan Franzke
Als Michael Kronacher am Nachmittag im Untersuchungsausschuss mit Franzkes Vorwurf, er habe die Sitzung „gekapert“, konfrontiert wird, muss er lachen. Er kann sich an Franzke auch gar nicht erinnern. „Ich könnte nicht einmal sagen, ob er bei dem Workshop überhaupt anwesend war“, so der Kommunikationsexperte. Ein Dissens zwischen ihm und Franzke sei aber nicht verwunderlich. Es habe einen Konflikt zwischen der Überzeugung über die Qualität der eigenen Arbeit bei Innovatives Niedersachsen und der Position, dass man diese Arbeit zumindest einmal überprüfen müsse, gegeben. An der Stelle wird einmal mehr deutlich, dass es diesmal im Untersuchungsausschuss auch um alte Wunden aus dem Jahr 2013 geht.
Ich könnte nicht einmal sagen, ob er bei dem Workshop überhaupt anwesend war - Michael Kronacher über Stefan Franzke
Nach dem Workshop bekam Franzke die Rechnung auf den Tisch, weitergeleitet aus dem Wirtschaftsministerium. Das Innovative Niedersachsen sollte für die Moderatoren Michael Kronacher und Peter Ruhenstroth-Bauer bezahlen. „Es war ein ungewöhnlicher Vorgang, weil wir zu der Rechnung ja kein Angebot hatten. Und es war das erste Mal, dass wir von der Vorsitzenden des Aufsichtsrats aufgefordert wurden, etwas zu bezahlen, das die Gesellschaft nicht bestellt hatte“, berichtet Franzke. Sein damaliger Mitarbeiter Christian Kotschy erinnerte sich gestern im Ausschuss, damals sogar mit Behrens direkt über die Rechnung gesprochen zu haben. Auf die Nachfrage, ob die Umfirmierung der Rechnungsadresse eigentlich korrekt gewesen sei, antwortet Kotschy: „Ich habe auf Weisung gehandelt. Ich möchte das rechtlich nicht bewerten.“
Für CDU-Obmann Uwe Schünemann wurde im Untersuchungsausschuss gestern deutlich, dass die damals neue rot-grüne Landesregierung die Marketingtochter nur noch einmal ausnutzen wollte. „Für Landesregierung stand fest, dass Innovatives Niedersachsen abgewickelt werden sollte. Man wollte die Gesellschaft einfach noch einmal für die eigenen Zwecke benutzen. Herr Franzke war nur noch Beiwerk. Er war nur noch dazu da, die Rechnung zu begleichen“, sagte Schünemann dem Rundblick. SPD-Obmann Grant Hendrik Tonne war dagegen von Franzkes Auftritt verwundert. Er nimmt Franzke dessen Überraschung über die Tatsache nicht ab, dass Kronacher den damaligen Workshop moderierte. „Herr Franzke wollte sich selbst eine Rolle zuweise als überraschter Dritter. Aber man kann anhand der Akten nachweisen, dass er wusste, was auf ihn zukommt und welche Rolle er da auch zu spielen hat. Das klang mir heute sehr nach Märchenstunde“, meinte Tonne. Er will nicht ausschließen, Franzke ein weiteres Mal vorzuladen, um Widersprüche aufzuklären. Manchmal sieht man sich vielleicht sogar dreimal im Leben. (MB.)

