17. Mai 2020
Soziales

Honé plant Aufbau von regionalen Versorgungszentren

Der Mangel von Ärzten auf dem Land ist allgemein bekannt – aber allzu oft erlebt man in der Praxis ein Schwarze-Peter-Spiel in dieser Frage. Zuständig für die Versorgung ist die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), und von dort heißt es, die Lage sei nicht besorgniserregend. Die Kommunen erleben oft den Mangel, wollen aber nicht selbst aktiv werden, denn zuständig ist ja nun mal die KVN.
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Die Ministerin für Bundes-, Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung, Birgit Honé (SPD), möchte diesen Missstand jetzt abstellen. In einem Modellprojekt, für das im Etat 3,7 Millionen Euro bereitstehen, will sie „regionale Versorgungszentren“ fördern. Das soll zunächst in drei Landkreisen erprobt werden, im Kreis Cuxhaven, im Kreis Wesermarsch und im Kreis Göttingen. Ein Lenkungskreis aus Regional-, Sozial- und Innenministerium, Landkreistag, KVN, AOK und Bundesagentur für Arbeit soll das Vorhaben begleiten und daraus ableiten, wo Probleme entstehen und wo vorbildliche Lösungen entwickelt werden.

Mit Bussen, Bahnen und Taxis problemlos erreichbar

Honé betont ausdrücklich im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick, dass diese Versorgungszentren nicht in bisherige Krankenhäuser ziehen sollen, deren Zukunft und mögliche Umwidmung seit Monaten in der Enquetekommission zur Zukunft der medizinischen Versorgung erörtert werden. Vielmehr gehe es um Angebote in solchen Regionen, die gegenwärtig bereits ein sehr schwaches ans Haus- und Fachärzten hätten. In einem Gebäude oder in unmittelbarer Nähe zueinander sollten idealerweise eine Arztpraxis, eine Tagespflegeeinrichtung, ein Anbieter für Dienstleistungen (Handwerker, Einkäufe, Fahrdienste), womöglich ein kommunales Bürgerbüro, ein Supermarkt, ein Café und eine Apotheke untergebracht werden. Dies müsse so angeordnet sein, dass die Menschen den Ort mit Bussen, Bahnen oder auch Ruf-Taxis schnell und problemlos erreichen können. In Abweichung von der bisherigen Aufgabenverteilung solle es dann auch möglich sein, dass der Landkreis Verträge mit mehreren Ärzten schließt, die dann in der dortigen Praxis tätig werden – und zwar mit festen Arbeitszeiten und sozialer Absicherung. Honé meint, oft weigerten sich doch junge Ärzte, eine freiwerdende Hausarztpraxis auf dem Land zu übernehmen. Sie würden sich dann in mehrfacher Hinsicht binden, müssten hohe finanzielle Belastungen aufnehmen und stünden als Arzt oft allein da mit den entsprechenden Konsequenzen für den Arbeitsalltag.

Keine Kollision mit anderen Programmen

Die Regionalministerin denkt daran, in einem solchen Modellvorhaben auch den verstärkten Einsatz von Tele-Medizin zu erproben – wenn es etwa darum geht, bei einer ärztlichen Behandlung den Rat eines Facharztes von außen hinzuzuziehen. Ausdrücklich gehe es aber nicht darum, eine mögliche Kollision mit anderen Programmen zu riskieren, etwa den „Gesundheitsregionen“, die das Sozialministerium eingerichtet hat. Das Projekt soll erproben, wie bisherige Systeme verbessert werden können, das betreffe etwa auch die Pflegestützpunkte, die bisher als Auskunfts- und Beratungsstellen für Menschen, die eine Pflege benötigen, arbeiten. Wenn sich in der Pilotphase herausstellen sollte, dass sich das Angebot bewährt und daraus gute Impulse abzuleiten sind, sei im Jahr 2022 „auch eine landesweite Umsetzung denkbar“, berichtet Honé.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #093.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter