13. Dez. 2020
Soziales

Honé will ihr Modell der Ärzteversorgung auf zwei weitere Landkreise ausdehnen

Das Projekt wurde vor einem guten halben Jahr angeschoben – und jetzt will Regionalministerin Birgit Honé es ausweiten: Die sogenannten „regionalen Versorgungszentren“, die für die Bereiche Alfeld (Kreis Hildesheim), Wurster Nordseeküste (Kreis Cuxhaven) und Nordenham (Kreis Wesermarsch) schon vereinbart sind und dort demnächst starten sollen, bekommen noch weitere Brüder. „Ein viertes und vielleicht auch ein fünftes werden noch entstehen“, sagte die SPD-Politikerin dem Politikjournal Rundblick. Es geht, vereinfacht beschrieben, um ein von der Kommune begleitetes und unterstütztes Angebot an Arztpraxen, Apotheken, Treffpunkten und Behörden in zentraler Lage – gut erreichbar für viele Menschen, die hier Hilfe benötigen. Das Besondere soll sein, dass nicht die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) mit ihrem Versorgungsauftrag als alleiniger Akteur auftritt, sondern die Kommune wesentliche Hilfestellungen bietet. Das kann darin enden, dass kein Hausarzt für eine Arztpraxis gefunden werden muss, der dann die Investitionen und das Risiko selbst tragen muss. Die Kommune könnte als Träger der Arztpraxis auftreten und die Haus- und Fachärzte nur als Angestellte unter Vertrag nehmen. Auf diese Weise könne es gelingen, zweifelnde Mediziner doch noch zu bewegen – auch mit dem Lockmittel, parallel weitere Angebote in der Nähe zu schaffen.
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Das Modell, das im Ministerium von Honé gestartet wurde, bezieht sich ausdrücklich auf jene Bereiche, in denen die derzeitige Versorgung mit Haus- und Fachärzten schlecht ist – und wo die bisherigen Bemühungen, Medizinier zu einer Ansiedlung zu bewegen, nicht sonderlich gut gefruchtet haben. Allerdings geht die Idee aus dem Ministerium noch weiter: Ein „Versorgungszentrum“ soll Anlaufpunkt sein für verschiedene Dienstleistungen, die in ländlichen Gegenden gebraucht werden. Das kann von einer Tagespflegeeinrichtung über das Angebot von Handwerkerdiensten reichen, das kann sich auf ein kommunales Bürgerbüro beziehen, ein Café als Treffpunkt oder auch auf Apotheken und Banken, die in der Nähe heimisch werden. Bisher läuft das alles noch als Modellprojekt, was bedeutet, dass zunächst im Probebetrieb getestet wird, welche Probleme auftauchen, wo es bei der Abstimmung zwischen bisherigen Partnern hakt und an welchen Stellen das Konzept noch nachgebessert werden kann – bevor es dann womöglich, im nächsten Schritt, als landesweites Modell etabliert werden könnte.

Förderbescheid für Alfeld schon erteilt

In einer Übersicht des Ministeriums heißt es, für Alfeld sei bereits der Förderbescheid für das Zentrum erteilt worden, auch wenn noch nicht alle Räte der Gemeinden der Gegend ihre Entscheidung getroffen hätten. Der Betrieb soll nach bisherigen Plänen Ende 2021 beginnen. Es zeige sich landesweit ein unterschiedliches Bild, heißt es aus dem Ministerium: In einigen Versorgungszentren konzentriere man sich auf die Telemedizin, in anderen sollten Hebammendienste, Sanitätshäuser, Physiotherapeuten, Seniorenberatungen und Pflegestützpunkte aufgebaut werden. Ursprünglich hatte das Ministerium das Ziel, als zentrale Schnittstelle die jeweiligen Landräte einzubinden und die Kreise als Träger zu etablieren. Doch was Alfeld im Kreis Hildesheim anbelangt, werde das Versorgungszentrum dort nun allein von den Gemeinden getragen. In diesem Jahr hatte das Land für das Modellprojekt 3,7 Millionen Euro bereitgestellt – das hieß: Überall dort, wo die Versorgungszentren gebildet wurden, unterstützte das Honé-Ministerium dies mit einem Zuschuss. Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU haben einen Grundstock, den die Regierung im Haushalsentwurf für 2021 schon vorgesehen hatte, noch einmal um 4 Millionen Euro erhöht. Die Ausweitung um zwei weitere Modell-Standorte (vermutlich eher im Osten und Nordosten Niedersachsens) dient dem Ziel, noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Honé hat schon eine Erkenntnis aus den bisherigen Planungen ziehen können: „Wir sehen, dass die Projekte einen sehr unterschiedlichen Weg einschlagen, sowohl bei der Herangehensweise wie auch bei den Ergebnissen.“
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #225.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter