17. Aug. 2020
Soziales

Heimaufsicht: Große Unterschiede zwischen Landkreisen

Die Bilder schockierten vor gut einem Monat: Sie zeigten unter anderem eine Bewohnerin eines Pflegeheims in Celle, die mit einem Tuch schmerzhaft fest in ihrem Bett fixiert wurde. Drei Mitarbeiter wurden fristlos entlassen, nachdem die schweren Misshandlungen an die Öffentlichkeit gelangt waren. Sozialministerin Carola Reimann zeigte sich entsetzt. Pflegebedürftige dürften weder Gewalt, Vernachlässigung noch finanzieller Ausbeutung ausgesetzt sein, forderte sie. Der Heimaufsicht im Landkreis ist nach Angaben der Landesregierung derweil kein Vorwurf zu machen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte im Dezember 2018 das Heim in Celle zuletzt kontrolliert. Bis dato seien keine erheblichen Mängel in dem Heim bekannt gewesen, heißt es in einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion. Es sei daher zulässig gewesen, dass die Heimaufsicht das Prüfintervall bis Juni 2020 verlängert habe.

Wolfsburg Spitzenreiter, Schlusslicht Cloppenburg

Hinzu kam in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch die Belastung der Behörde durch die Corona-Pandemie. Mitte März hatte das Sozialministerium die Heimaufsichtsbehörden im Land darauf hingewiesen, dass von wiederkehrenden Prüfungen bis auf Weiteres abgesehen werden soll.
Ich halte es für sinnvoll, dass sich die kommunalen Spitzenverbände einmal zusammensetzen, um über Mindeststandards bei der Heimaufsicht zu sprechen.
Aus der Antwort der Landesregierung geht allerdings auch hervor, dass bei der jeweiligen Heimaufsicht in den Landkreisen große Unterschiede in der personellen Ausstattung gibt. Während bei Spitzenreiter Wolfsburg auf einen Mitarbeiter zehn zu prüfende Heime kommen, muss beim Schlusslicht, dem Landkreis Cloppenburg, statistisch ein Mitarbeiter mehr als 72 Einrichtungen prüfen. FDP-Sozialexpertin Sylvia Bruns wundert sich über die große Bandbreite im Land. Es stelle sich aufgrund der Zahlen die Frage, ob man in puncto Heimaufsicht wirklich von gleichen Lebensverhältnissen im ganzen Land sprechen könne. „Ich halte es für sinnvoll, dass sich die kommunalen Spitzenverbände einmal zusammensetzen, um über Mindeststandards bei der Heimaufsicht zu sprechen“, sagte Bruns dem Politikjournal Rundblick. https://twitter.com/NadyaKlarmann/status/1296416816307343363 So ist in der Stadt Wilhelmshaven nur etwa eine Drittel-Stelle für die Aufsicht von 20 Einrichtungen vorgesehen. Auch in den großen Städten gibt es deutliche Unterschiede. Während in der Stadt Hannover ein Mitarbeiter auf 12,5 Pflegeeinrichtungen kommt, sind es in Braunschweig 20 und in Oldenburg und Osnabrück rund 32. Beim Niedersächsischen Landkreistag (NLT) ist man sich nicht ganz sicher, ob die in der Antwort genannten Zahlen wirklich vergleichbar sind. „Hinsichtlich der Unterschiede in der Personalausstattung gibt es möglicherweise Unschärfen bei der Ermittlung der abgefragten Zahlen, darauf deuten die großen Unterschiede hin. Wir kennen unterschiedliche Angaben der Befragten zur selben Frage auch aus anderen Zusammenhängen, wenn die Fragen nicht exakt formuliert sind“, sagte NLT-Hauptgeschäftsführer Professor Hubert Meyer dem Rundblick. Zudem weist er darauf hin, dass die Landkreise und Städte in Sachen Heimaufsicht im übertragenen Wirkungskreis unterwegs sind. „Das Land bestimmt also die Spielregeln“, betont Meyer.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #141.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter