Das Nationale Begleitgremium im niedersächsischen Landtag - Foto: MB.[/caption]
„Wer ist eigentlich unsere Zielgruppe?“, fragte gestern Monika Müller. Sie ist Studienleiterin für Naturwissenschaften, Ökologie und Umweltpolitik an der Evangelischen Akademie Loccum. Zuvor hatten die Mitglieder fast ein wenig hilflos darüber beraten, wie man denn nun die Öffentlichkeit erreichen könne. Hier drinnen tagen wir, und da draußen bekommt niemand etwas davon mit, so der Tenor. Auch gestern benötigte man kaum zwei Hände, um die Zahl der Besucher an den Fingern abzuzählen. So richtig klar sei ihr ihre Rolle noch nicht, sagte die Jura-Studentin Jorina Suckow, die auch Mitglied des Begleitgremiums ist, vor ein paar Monaten in einem Interview. Gestern schien es, als stelle sich diese grundsätzliche Frage nach Sinn und Zweck des Gremiums nach wie vor.
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Die Schwierigkeit der Gruppe, die Öffentlichkeit für die eigene Aufgabe zu interessieren, liegt an der Aufgabe selbst. Sie ist wie das Vorhaben der Energiewende zu einem Feld für Experten geworden. Eine gigantische Aufgabe, deren Zusammenhänge nur noch eine geringe Anzahl von Menschen in diesem Land einigermaßen durchschaut. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel mahnte gestern, es dürfe nicht erst Interesse entstehen, wenn es vor Ort Anlass dazu gebe. Genau das ist aber zumeist die Realität: Die Bürgerinitiativen werden aktiv, sobald die ersten Punkte auf der bisher weißen Karte gekennzeichnet sind. Dann geht es plötzlich darum, dass in der Nachbarschaft ein Endlager für radioaktive Abfälle entstehen könnte.
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Das Nationale Begleitgremium ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Deutschland sucht das Superendlager – und noch weiß niemand, ob das in Salzgestein, Ton oder Granit liegen wird. Je nach wissenschaftlicher Präferenz wird das darüber entscheiden, welche Bundesländer dafür in Frage kommen. Gestern schien es, als sei diese gigantische Aufgabe ein wenig zu groß für die paar Gremiumsmitglieder in Raum 1305 des niedersächsischen Landtags. In welche Konflikte das Gremium noch geraten wird, zeigte sich bereits vor einigen Wochen. Nach einem Besuch des Garchinger Forschungsreaktors der TU München mutmaßte die örtliche Bürgerinitiative, das Gremium könne dort beeinflusst worden sein. Die Vorsitzende des Begleitgremiums, Miranda Schreurs, sah sich danach genötigt deutlich zu machen, dass das Begleitgremium neutral sei.
Deutschland sucht das Superendlager – und noch weiß niemand, ob das in Salzgestein, Ton oder Granit liegen wird
Das sind noch die ruhigen Zeiten der weißen Landkarte. Aber der Ton wir rauer und der Gegenwind schärfer werden. Der Auftritt im Landtag gestern nährte Zweifel, ob die Mitglieder darauf vorbereitet sind. Dabei ist das Gremium grundsätzlich eine gute Idee. Nach all den Versäumnissen vergangener Jahrzehnte tut die Politik, gut daran, die Suche diesmal transparent und wirklich ergebnisoffen durchzuführen. Das Begleitgremium kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Es sollte aber innerhalb eines professionellen Umfelds agieren, damit es in der Lage ist, seine Rolle zügig zu finden, wahrzunehmen und zu kommunizieren. Die Anmutung einer Sitzung der Interessengruppe Atom im örtlichen Hinterzimmer steht in auffälligem Gegensatz zum gigantischen Vorhaben der Suche nach einem nationalen Endlager.
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