Gesetze müssen so formuliert sein, dass sie die Menschen ansprechen.
Der inzwischen 76 Jahre alte emeritierte Professor stellte seinen Vortrag in Hannover unter die Überschrift: „Der Aufbruch in beherzter Freiheit in Zeiten eines wirtschaftlichen und technischen Umbruchs.“ Dabei startete er mit philosophischen Grundfragen. Die Freiheit, betonte er, müsse zwangläufig mit Verantwortlichkeit einhergehen. Wer eine Familie gründe oder ein Unternehmen, übernehme automatisch Verantwortung für seine Kinder, seine Kunden und die Qualität der angebotenen Produkte. Nur so funktioniere das Staatswesen – nämlich mit der Voraussetzung, dass die Menschen jeden Morgen aufstehen und Pflichten erfüllen, miteinander kommunizieren und auch wählen gehen. „Wenn niemand mehr zur Wahl geht, kann unser System nicht mehr bestehen bleiben.“ Jungen Leuten müsse beigebracht werden, dass Beliebigkeit und Bindungslosigkeit mit einem Verlust von Freiheit einhergehe. „Wer Freiheit erleben will, muss sich binden.“
Gefährlich sei es, wenn anonyme Beschimpfungen in sozialen Medien Schule machen würden: „Das wäre organisierte Unverantwortlichkeit. Meinungsfreiheit heißt, dass ich mit meinen Namen und meinem Gesicht für das einstehe, was ich von mir gebe.“ Wenn es um die Gleichheit gehe, müsse der Staat der Unterschiedlichkeit jedes Menschen Rechnung tragen. Beim Zugang zu Führungspositionen in Staat und Wirtschaft gelte das Prinzip der Bestenauslese. Bei der Erteilung einer Baugenehmigung dürften indes solche Kriterien keine Rolle spielen. Der Staat müsse den Betroffenen „eine für jede Lebenssituation bereichsspezifische Gleichheit“ gewährleisten. Gleichheit sei mehr als der Ruf nach Gleichbehandlung.


