11. Nov. 2018
Kommentar

Kompromiss am Bückeberg: Widerstand gegen Erinnerungsstätte wird aufgegeben

Der teilweise massive Widerstand aus der Gemeinde Emmerthal gegen den Bau eines „Lern- und Erinnerungsortes“ auf dem Bückeberg dürfte bald der Vergangenheit angehören. Die aus der CDU und der Wählergemeinschaft stammenden Kritiker haben sich mit den Befürwortern des Vorhabens, die aus der SPD und auch aus der Landes-CDU kommen, auf einen gemeinsamen Weg verständigt. Demnach soll das Konzept des Historikers Bernhard Gelderblom, auf dem Bückeberg einen Rundgang mit mehreren Informationstafeln anzulegen, im Wesentlichen erhalten bleiben. Die Verkehrsführung wird aber so verändert, dass den Bedenken vieler Anwohner Rechnung getragen wird. Sie hatten befürchtet, dass ein Erinnerungsort an dieser Stelle zu erheblichen Besucherströmen führen könne – mit Rückwirkungen auf die Lebenssituation in der beschaulichen, ruhigen und abgelegenen Gegend. Bisher erinnert nicht einmal eine einzige Gedenktafel an die Vergangenheit auf dem Bückeberg. Zwischen 1933 und 1937 hatten die Nazis hier alljährlich im Herbst sogenannte „Reichserntedankfeiern“ veranstaltet, zu denen Hunderttausende aus dem ganzen Reich mobilisiert und auf den Berg gebracht wurden. Im Mittelpunkt standen dann militärische Vorführungen und eine Rede von Adolf Hitler. Aus heutiger Sicht werden die Feiern als perfekte Propaganda-Inszenierung angesehen.   Wie es heißt, müssen noch einige letzte Details geregelt werden. Es geht beispielsweise um die Frage, wo die Busse mit Schulklassen halten sollen, wenn sie den Lern- und Erinnerungsort besuchen wollen. Bei einer Veränderung der Verkehrsführung würden sie oben auf dem Bückeberg ankommen, wo auch Parkplätze und Toilettenhäuschen gebaut werden sollen. Der Rundgang über den Bückeberg müsste aber aus pädagogischen Gründen eher unten beginnen – dort, wo einst die Rednertribüne für Hitler gestanden hatte. Es geht auch um andere Investitionen in der Gemeinde Emmerthal, die im Zuge der neuen Erinnerungsstätte möglich sind. Vor allem der Hamelner Landrat Tjark Bartels (SPD) hatte das Projekt erheblich vorangetrieben, er gilt als Schrittmacher. Die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten unterstützt das Vorhaben ebenfalls. Noch vor einigen Monaten war die Situation erheblich verfahren. Damals standen CDU und Wählergemeinschaft an der Seite der AfD, die sich massiv gegen den Bau einer Erinnerungsstätte engagiert hat. Die Gemeinde Emmerthal plante eine Bürgerbefragung, die aber aus formalen Gründen in der Kreisverwaltung als nicht zulässig eingestuft wurde. Daraufhin wurden Bemühungen gestartet unter Beteiligung der Landtagsfraktionen von CDU und SPD, eine Verständigung zu erzielen. Diese Verständigung steht nun offenbar kurz vor einem erfolgreichen Abschluss.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #200.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum