19. Sept. 2017
Soziales

Landesregierung sieht Erfolge im Kampf gegen MRSA-Keime

Die niedersächsische Landesregierung bewertet ihren Einsatz gegen Antibiotika-Resistenzen als Erfolg. So sei zwischen 2010 und 2016 der Anteil der multiresistenten Keime in den Kliniken von 24,8 auf 15,6 Prozent zurückgegangen. Das gehe aus den Daten des Antibiotika-Resistenz-Monitoring hervor und liege unter anderem an stringenten Regelungen zur Hygiene in den Krankenhäusern. Es gehe um Patientenschutz, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt. „Unser Ziel ist, dass die Zahl antibiotikaresistenter Bakterien weiter zurückgeht, damit Antibiotika auch in der Zukunft wirksam sind.“ Dabei geht es auch um den reduzierten Einsatz von Antibiotika in der Arztpraxis. Dabei ist Rundt nicht nur wichtig, die Ärzte entsprechend zu informieren, sondern auch die Patienten. „Manche glauben, sie bekämen nicht das richtige Medikament, wenn es kein Antibiotikum ist. Dann üben Patienten Druck auf den Arzt aus.“
Wir dürfen in der Tierhaltung nicht die letzten Reserveantibiotika der Menschheit verschwenden. Die gehören nicht in den Stall.
Auch in der Landwirtschaft geht der Antibiotika-Einsatz laut Landwirtschaftsminister Christian Meyer zurück. „Unser Ziel aus dem Koalitionsvertrag, den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung zu halbieren, haben wir fast übererfüllt“, sagte Meyer. Es gebe einen Rückgang bei Mastkälbern und Mastputen um 50 Prozent, bei Mastferkeln um 56 und bei Mastschweinen um 59 Prozent. Bei Hühner liege der Wert allerdings nur bei 28 Prozent und hier habe es im vergangenen Jahr auch wieder eine leichten Anstieg gegeben. Meyer lobte die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Seit zwei Jahren müssen mehr als 21.000 Betriebe ihren Antibiotikaeinsatz melden. Die 25 Prozent mit dem höchsten Antibiotikaeinsatz müssen dem Landesamt für Verbraucherschutz einen Maßnahmenplan vorlegen. Es habe mehr als 1000 Vorort-Kontrollen gegeben, so Meyer. https://soundcloud.com/user-385595761/meyer-reserveantibiotika-gehoren-nicht-in-den-stall Dringenden Handlungsbedarf sieht Meyer beim Thema Reserveantibiotika. Solche Medikamente eigentlich für Menschen vorgesehen, bei denen herkömmliche Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken. Auch hier habe es im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang gegeben. Das Land habe den Bundesagrarminister bereits mehrfach aufgefordert, eine Liste von Stoffen vorzulegen, die in der Tierhaltung entweder gar nicht oder nur mit sehr hohen Auflagen verwendet werden sollten. „Wir dürfen in der Tierhaltung nicht die letzten Reserveantibiotika der Menschheit verschwenden. Die gehören nicht in den Stall. Schließlich kommen wir immer mehr in ein Post-Antibiotika-Zeitalter, weil kaum neue Antibiotika auf den Markt kommen. Es dürfe bei den Tierhaltern auch nicht dazu kommen, dass man von einem Breitband- zu einem harten Antibiotikum greift, weil man davon eine kleinere Menge benötige. Die niedersächsische CDU meint dagegen, der Agrarminister schreibe sich Erfolge zu, die andere erarbeitet hätten. „Die Fortschritte in diesem Bereich sind die Verdienste von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und Meyers Amtsvorgänger Gert Lindemann. Unter Minister Meyer hat es aus Niedersachsen keine inhaltlichen Impulse im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen gegeben“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #164.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning