Die hiesige Rentenversicherung ist Vorreiter auf dem Weg, mehr Angebote für die berufliche Wiedereingliederung zu schaffen.
Miersch, der im Bundestag zur Parlamentarischen Linken in der SPD gezählt wird, hält die Förderung für ein segensreiches Ergebnis der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD im Bundestag. „Wenn es um die Bilanz der Sozialpolitik geht, kann ich mir zwar bei der Grundrente noch mehr vorstellen. Doch alles in allem kann sich die Arbeit der Großen Koalition auf diesem Gebiet sehen lassen.“
Auf einem anderen Gebiet, bei Umwelt- und Klimaschutz, müsse die Bilanz noch gezogen werden. Aber wenn auch diese positiv ausfallen sollte, könne man bei den Parteitagen der CDU Ende November und der SPD Anfang Dezember damit rechnen, dass die Stimmen für eine Fortsetzung der gemeinsamen Bundesregierung stark sein werden. Miersch selbst will sich hierzu jetzt noch nicht festlegen. DRV-Geschäftsführer Jan Miede sieht die veränderten Angebote seiner Versicherung auch als ein Ergebnis eines Meinungswandels bei den Gewerkschaften, insbesondere der IG BCE und der IG Metall. „Die frühere Haltung, man wolle möglichst schnell raus aus dem Erwerbsleben, gilt nicht mehr.“ Helga Schwitzer, Vorstandsvorsitzende der DRV, nennt das einen „Paradigmenwechsel“ und nennt als neues Ziel, die Beschäftigten „möglichst lange gesund im Arbeitsprozess zu behalten“. Das sei auch die beste Vorbeugung gegen die Gefahr von Altersarmut.
Lesen Sie auch: Reimann macht Druck bei Spahn: Für die Pflege muss der Bund einen Zuschuss geben
Das Konzept der Rentenversicherung beinhaltet auch die Begleitung des wieder gesund gewordenen Arbeitnehmers nach Abschluss der Rehabilitation. Die Unterstützung solle individuell auf ihn zugeschnitten werden. Neben dem ersten Modellvorhaben, für das der Bund 1,4 Millionen Euro gibt, sind noch vier weitere Projekte entwickelt worden, deren Förderung teilweise schon läuft, teilweise noch bewilligt werden muss. Wenn die Modellversuche sich als lohnenswert herausstellen, also damit eine erfolgreiche Rehabilitation erreicht wird, sind nach den Worten von Miede „die Politiker gefordert“. Dann müssten die gesetzlichen Vorschriften so geändert werden, dass die Regelungen zum festen Leistungskatalog der Rentenversicherung gehören. Das sei auch deshalb sinnvoll, da es sich hier um einen Grenzbereich zwischen Kranken- und Rentenversicherung handelt – und die Kostenübernahme in solchen Fällen immer wieder zu unterschiedlichen Interpretationen geführt hat. https://www.youtube.com/watch?v=pv2zHKCZZ80 Miersch hält die neue Marschrichtung der Rentenversicherung für „weitsichtig“: Wenn es gelinge, über verstärkte Rehabilitation mehr Menschen wieder in Arbeit zu bringen, kämen diese auch wieder in die Rolle von Rentenbeitragszahlern – das bringe also der Rentenversicherung wieder Einnahmen. Beratend ist die DRV auch im Kultusministerium aktiv, erklärte Miede: Besonders viele Lehrer scheiden vorzeitig aus dem Dienst, weil sie sich im Beruf zu stark belastet und überfordert fühlen. In den meisten dieser Fälle handelt es sich allerdings um Beamte und keine Rentenbeitragszahler.


