Jetzt haben wir den Kartoffelsalat. „McCain-Kartoffelfabrik in Mehrum geplatzt“, titelt der Landvolk-Pressedienst am Mittwoch. Aber keine Sorge! Wer bei dieser Wortwahl Bilder von zerborstenem Stahl und durch die Luft fliegenden Knollen vor seinem inneren Auge sieht, sei beruhigt: Die Fabrik stand ja noch gar nicht. Geplatzt sind lediglich die Verhandlungen ums kanadische Frittenwerk am Mittellandkanal. Die Betroffenheit im Land ist trotzdem groß, hatten sich die leidgeprüften Landwirte doch schon auf einen starken Abnehmer gefreut. All das Werben von Bund, Land und Kommune stellt sich nun als Griff in die Fritteuse heraus. Die Tüften müssen einstweilen doch im Keller bleiben.

Unterdessen beginnt die Suche nach den Gründen für die heruntergelassene Pommes-Schranke des kanadischen Konzerns. Liegt es an der Volkswagenkrise, die sinkende Verkaufszahlen auch für die VW-Currywurst mit sich zu bringen droht? Hat das Aus der Wolters-Brauerei etwas damit zu tun, weil ein Kaltgetränk zum Genuss des Salzigen fehlen könnte? Oder sind es die Ankündigungen von Fritte Merz, den Deutschen die Feiertage streichen zu wollen, wodurch womöglich eine Kirmesflaute droht? Andere denken, es könnte an jenem Schatten liegen, der sich vom Osten kommend über Niedersachsen legt. Gemeint ist da natürlich die Schilf-Glasflügelzikade, die sich im Grenzbereich zu Sachsen-Anhalt immer weiter über Niedersachsens Kartoffelfelder verteilt und die Ernten bedroht. Oder dachten Sie an etwas anderes?
Was könnte McCain noch überzeugen, doch zu bauen? Neben den bereits angekündigten Fördergeldern in zweistelliger Millionenhöhe könnte sich das Land als staatlicher Ankerkunde anbieten. Pommes frites gehören schließlich auch heute schon zum Standardprogramm jeder gut sortierten öffentlichen Kantine. Ergänzen könnte die Landesregierung dies noch mit eigener Volksfest-Offensive. Es wäre zu überlegen, den 80. Landesgeburtstag am Ende doch noch groß zu feiern. Und für die wirtschaftliche Stabilität und Prosperität könnte das Land den 1. November doch gleich zum alljährlichen Feiertag machen. Als Kartoffel- und Pommes-Land Nummer eins haben wir schließlich eine gewisse Verpflichtung.
Neben dem Fritten-Fail haben wie heute auch noch ein Klinik-K.O. im Programm. Die Landesregierung beweist derweil, dass „Innovator“ nicht nur eine Kartoffel-Sorte ist:
„It’s all good“, schrieb McCain 2009 noch auf seine Werbetafeln. Und wenn es noch nicht good ist, dann piekst die letzte Pommes auch noch nicht auf der Gabel.
Ihr Niklas Kleinwächter


