Handwerkskammer kritisiert Trend zur Akademisierung
Angesichts deutlich zurückgehender Bewerberzahlen, was voraussichtlich zu einer steigenden Zahl unbesetzter Lehrstellen führen wird, sucht das Handwerk auch immer stärker unter Abiturienten nach Nachwuchs. Schon seit Jahren steige der Anteil der Abiturienten unter den Auszubildenden. Im Jahr 2010 lag er noch bei knapp fünf Prozent, inzwischen haben mehr als 12 Prozent der neuen Azubis Abitur. „Wir müssen mehr tun, um Abiturienten für uns zu gewinnen“, sagte Steinmann, übte aber zugleich Kritik an der steigenden Zahl junger Menschen an Gymnasien und Hochschulen. Zugleich liege die Quote der Studienabbrecher immer noch bei 30 Prozent. „Offensichtlich läuft da etwas verkehrt, aber das ist immer noch Stand der Dinge“, konstatierte der LHN-Vorsitzende. Es gebe einen anhaltenden Trend zur Akademisierung, obgleich die Wirtschaft immer offensiver warne und der Wunsch nach einer Stärkung der dualen Ausbildung immer lauter formuliert werde. Die Betriebe benötigten händeringend qualifizierte Mitarbeiter. „Im Moment gehen Handwerksmeister auf dem Zahnfleisch, um das zu bewerkstelligen, was da alles auf dem Tisch steht“, erklärte Steinmann. Pläne der Politik, Ölheizungen abzuschaffen, würden für noch mehr Arbeit sorgen.Lesen Sie auch: Landesregierung plant mehr Berufsorientierung an Schulen
Mit ihren Auszubildenden sind die Handwerksbetriebe in Niedersachsen derweil sehr zufrieden. Das geht aus einer Umfrage der Kammer hervor, an der sich mehr als 2100 Betriebe beteiligten. Fast 90 Prozent der Betriebe gaben an, zufrieden mit ihren Auszubildenden zu sein, mehr als ein Fünftel sind sogar sehr zufrieden. Gelobt wurden vor allem Zuverlässigkeit, Interesse und Aufgeschlossenheit sowie Motivation und Teamfähigkeit. Gerade soziale Kompetenzen spielen Steinmann zufolge eine große Rolle. Weniger zufrieden sind viele Betriebe dagegen mit dem mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen ihrer Auszubildenden, sowie deren elementaren Rechenfertigkeiten. Die Unternehmen versuchten, Schwächen abzufangen und investierten immer mehr in die Begleitung der jungen Menschen. Es seien aber auch Schulen und Elternhäuser gefordert, Wert auf eine gute Grundbildung zu legen.


