26. März 2020
Soziales

Mehr Intensivbetten – aber Beatmungsgeräte fehlen noch

In den 177 niedersächsischen Krankenhäusern gibt es derzeit 2362 Intensivbetten. Viele davon sind belegt, doch mit der vor einigen Tagen ergangenen Weisung des Sozialministeriums, alle aufschiebbaren Operationen vorerst abzusagen, wird Zug um Zug freier Platz in den Kliniken geschaffen. So bereite man sich vor auf die durchaus reale Erwartung, schon bald einen erheblichen Anstieg der an Covid19 leidenden Patienten zu erleben. Das erklärte Sozialministerin Carola Reimann gestern in der Pressekonferenz des Corona-Krisenstabes. https://www.youtube.com/watch?v=t8V44igHi5M Bisher sind 1849 der landesweit vorhandenen Intensivbetten auch mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Diese Zahl von 1849 wolle sie verdoppeln, hatte Reimann vor wenigen Tagen erklärt. Doch der Fortschritt in dieser Frage ist noch recht langsam. Für 400 weitere Betten sind die Voraussetzungen zwar schon geschaffen. Doch die Beatmungsgeräte, die der Bund für die Länder bestellt hat, sind noch nicht geliefert worden, deshalb konnten von den 400 lediglich 14 schon komplett ausgerüstet werden. Wie die Ministerin weiter erläuterte, sind derzeit 500 der 2362 Intensivbetten frei für neue Patienten. Diese Zahl werde ständig steigen, da immer mehr zunächst geplante Operationen zeitlich geschoben werden und Betten frei werden. Gegenwärtig benötigen 89 der landesweit 2726 an Covid19 erkrankten Personen eine intensivmedizinische Behandlung. Die Zahl steigt aber täglich weiter an.

Zwei Behelfskrankenhäuser werden derzeit geplant

Reimann, Bauminister Olaf Lies und Wissenschaftsminister Björn Thümler erläuterten gestern die aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Krise. Sie berichteten von Plänen, auch die 77 Reha-Kliniken in Niedersachsen in das System einzubeziehen. Über diese und andere Schritte könnten 1200 zusätzliche Klinikbetten geschaffen werden – ein nötiger Schritt, um die Intensivbetten in den übrigen Kliniken frei zu bekommen und Platz für neue Intensivbetten zu schaffen. https://www.youtube.com/watch?v=Qyz-OWrtfxk&t=7s Zwei Behelfskrankenhäuser werden derzeit geplant, so im Kreis Ammerland, wo es seit langem eine enge Kooperation mit der Bundeswehr gebe, und in den Hallen 19 und 20 auf dem hannoverschen Messegelände. Damit die Umwidmung dieser Hallen für die Unterbringung von Patienten rasch und reibungslos verläuft, hat Lies einen „Duldungserlass“ herausgegeben – mit Blick auf die Bestimmungen zum Brandschutz und zum Versorgungskonzept wird damit eine Genehmigung schon erteilt, die sonst erst nach längeren Prüfungen und Fristen hätte gegeben werden können. „Wir machen hier genau das, was auch in der Flüchtlingskrise geschehen ist“, berichtete Lies. In der MHH in Hannover sollen demnächst zehn Covid19-Patienten aus Italien, die dort nicht optimal versorgt werden können, aufgenommen werden. Dies sei „ein Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe“, teilte Ministerpräsident Stephan Weil dazu mit. Mehr als zehn Betten könne das Land aber in dieser prekären Lage nicht bereitstellen.
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In der Corona-Krise gibt es außerdem weitere Neuigkeiten: Medizinstudenten sind bereit: Der Aufruf der Regierung, Medizinstudenten sollten sich als Helfer in Krankenhäusern bereitfinden, trägt nach Auskunft von Thümler Früchte. Man habe auch entschieden, dass der Hinzuverdienst nicht auf das Bafög angerechnet wird. Diese Regel solle auch für Studenten gelten, die sich jetzt als Helfer bei der Spargel-, Erdbeer- und Obsternte engagieren wollen. Hausarrest für Senioren: Der frühere Linken-Landesvorsitzende Manfred Sohn hat eine Unterschriftensammlung gestartet für alle Menschen über 65. Darin sollen die Unterzeichner den Staat auffordern, für sich und ihre Altersgenossen eine Ausgangssperre zu verhängen: „Verordnet uns, den Alten, Hausarrest – versorgt uns und zahlt auch denjenigen, da das nicht sowieso bekommen, eine vorzeitigen Rente. Arbeitet ansonsten weiter wie bei jeder großen Grippewelle. Das wäre eine Abwehrstrategie mit Vernunft und Augenmaß“, heißt es in dem „55er Appell“. Kurzarbeit in Behörden: Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Bernhard Zentgraf, schlägt Kurzarbeit auch für Mitarbeiter von Behörden und staatlichen Einrichtungen vor, die derzeit schließen müssen. Es sei nicht gerecht, wenn Mitarbeiter in Betrieben bei Kurzarbeit rund 60 Prozent ihres Lohnes erhielten, staatliche und kommunale Mitarbeiter aber zu vollem Lohn weiter bezahlt werden – etwa freigestellte Mitarbeiter in Theatern, Bädern und Bürgerämtern. Der Kommunale Arbeitgeberverband habe die Gewerkschaften aufgefordert, genau das in den Tarifvertrag aufzunehmen, beispielsweise für Sparkassenbedienstete. Die Behördenleitungen könnten aber auch mit ihren Personalvertretungen entsprechende Regeln vereinbaren, sagt Zentgraf und rät dazu, dies auch zu tun.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #060.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter