Seit das Landesmarketing den Größenwahn zum Leitmotiv erklärt hat, wird jeder Titel dankbar mitgenommen: Niedersachsen ist bereits Agrarland, Energiewendeland, Autoland und sogar Babyland Nummer eins. Nun kommt ein weiterer hinzu: Niedersachsen ist ab sofort auch Affenland Nummer eins.
Wie das Forschungsmuseum Schöningen berichtet, lebten vor 300.000 Jahren offenbar Berberaffen in der Region Helmstedt. Das beweist ein Milchzahn, den ein etwa einjähriger Primat dort verloren hat – möglicherweise nicht ganz unfreiwillig. „Der knapp einen Zentimeter große, nahezu vollständig erhaltene Zahn wurde an der Grabungsstelle in unmittelbarer Nähe des Museums geborgen – am selben Ort, an dem auch die berühmten Schöninger Speere gefunden wurden“, melden die Forscher. Der Fund ist der bislang nördlichste Nachweis eines Berberaffen auf dem europäischen Festland.
Was den jungen Affen ausgerechnet nach Schöningen verschlug, ist nicht überliefert. Viel los war damals in der Region nicht: Ein paar Frühmenschen schnitzten an ihren Fichtenholzlanzen, drüben im Elm trotteten Säbelzahnkatzen durchs Unterholz und für die A2 von Helmstedt nach Magdeburg hatte vermutlich gerade das Planfeststellungsverfahren begonnen, damit man 300 Jahrtausende später pünktlich mit dem Bau beginnen konnte.
Der Zahn ist nun Teil der Ausstellung im Forschungsmuseum. Für die Archäologen ist die Arbeit damit allerdings noch nicht beendet. Der Fund erweitert zwar die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die frühere Verbreitung des Berberaffen. Wie die Tiere ihre Zähne derart gut in Schuss hielten, ist dagegen noch unklar. Auf dem Ausgrabungsgelände suchen die Forscher deswegen nun unter Hochdruck nach dem Bonusheft des jungen Berberaffen.

Während man in Schöningen gräbt, um den Rätseln der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, suchen wir im Rundblick wieder Antworten auf die Fragen der Gegenwart. Beißen Sie sich an folgenden Themen bitte nicht die Zähne aus:
Es grüßt
Ihr Christian Wilhelm Link


