21. Mai 2019
Wirtschaft

Neuer Wettbewerb soll Einzelhändlern in kleinen Städten Mut machen

Einzelhändler sprechen von „Lochfraß“, wenn die Fenster von Geschäften in Innenstädten immer häufiger leer bleiben. Inzwischen sind nicht mehr nur die kleineren Orte davon betroffen. Auch größere Städte tun sich zum Teil schwer, vor allem inhabergeführte Geschäfte in den Citylagen zu halten. „Es betrifft inzwischen alle Kommunen“, bestätigt Martin Bockler, Experte für Standortpolitik bei der niedersächsischen Industrie- und Handelskammer (IHKN), im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick. [caption id="attachment_40749" align="alignnone" width="754"] Taktik in Bad Pyrmont: Bei Leerstand werden schmucke Kostüme ins Schaufenster gestellt. - Foto: MB[/caption] Unterschiede sieht er dennoch. Während es in größeren Städten wie Hannover und Braunschweig nach wie vor mehr Dynamik und Impulse von außen gebe, tun sich kleinere Kommunen damit schwer. Um solche Impulse zu setzen, hat ein Bündnis, dem unter anderem Wirtschaftsministerium, IHKN und der niedersächsische Handelsverband angehören, einen Wettbewerb zum dritten Mal aufgelegt. Einzelhändler können dabei bis zum 25. September ihre Ideen und Konzepte einreichen, um Innenstädte wieder zu beleben und den stationären Einzelhandel zu stärken. Im vergangenen Jahr gewann ein Online-Unternehmen für Gartenbedarf in Bad Zwischenahn den ersten Preis, das sich in Rostrup auch stationär niederließ und mit kreativen Ideen Kunden begeisterte.

Es gibt eben noch keine Tante Emma mit einer hervorragenden Beratung im Internet. Soweit ist auch die künstliche Intelligenz noch nicht.


Der stationäre Einzelhandel habe Stärken, die Amazon und Ebay eben nicht bieten könnten, erklärte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, Kunden zu begeistern und sie emotional zu binden. Das können nur Menschen in Geschäften und keine Plattformen im Internet“, so Althusmann gegenüber dem Politikjournal Rundblick. „Es menschelt. Das ist das große Pfund im Einzelhandel, bei dem die smarten Lautsprecher namens Alexa nicht mitspielen können“, so beschreibt Mark Alexander Krack, Hauptgeschäftsführer der Handelsverbandes, den Unterschied zwischen Offline- und Onlinehandel. Im Einzelhandel vor Ort bekomme man immer noch eine vernünftige und qualitativ hochwertige Beratung. „Es gibt aber eben noch keine Tante Emma mit einer hervorragenden Beratung im Internet. Soweit ist auch die künstliche Intelligenz noch nicht.“
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Es gehe bei dem Wettbewerb darum, Impulse setzen und Mut zu machen, meint Martin Bockler von der IHKN. Ihm ist das vor allem für kleinere Kommunen wichtig, wo es viel Phantasie und Kreativität gebe. Der Wettbewerb, der sich auch ausschließlich an Einzelhändler in Städten und Gemeinden mit bis zu 50.000 Einwohnern richtet, könne viel in Gang setzen. „Händler und Kommunen müssen frühzeitig reagieren. Wenn eine Abwärtsspirale erst einmal in Gang gekommen ist, wird es ganz schwer“, sagt Bockler. Leerstehende Geschäfte beeinflussten dann auch das Umfeld negativ. „Wenn erst einmal das Packpapier das Schaufenster von innen verdeckt, was heute eigentlich nicht mehr vorkommen sollte, wird es noch unattraktiver.“ Althusmann verweist darauf, dass die Einzelhändler, von denen es in Niedersachsen rund 30.000 gibt, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land seien. Sie beschäftigten über 230.000 Menschen und machten mehr als 44 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die große Konkurrenz durch den Onlinehandel erfordere es noch viel mehr, sich jetzt mit neuen Konzepten auseinanderzusetzen. Der Druck ist groß. Laut Althusmann wuchs der Handel im Internet zuletzt um mehr als neun Prozent, die Steigerung im Einzelhandel lag lediglich bei zwei Prozent.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #095.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter