Justizministerin Barbara Havliza (2. von links), Innenminister Boris Pistorius (Mitte) und Landespolizeipräsident Axel Brockmann (2. von rechts) stellen das neue Lagebild Organisierte Kriminalität vor. Foto: Christian[/caption]
Internet hat an Bedeutung für Drogenhandel zugenommen
Am Kerngeschäft Drogenhandel zeigt sich auch, wie sich die Arbeitsweise der organisierten Banden insgesamt verändert hat. Die Täter, die vor Ort gefasst werden, stehen in der Regel unten in der bandeninternen Hierarchie, die Hintermänner sitzen im Ausland. Und die Geld- und Warenströme fließen immer öfter durch den versteckten Teil des Internets, das sogenannte „Darknet“. „Im vergangenen Jahr hatten wir zwar erstmals seit langem keine Ermittlungskomplexe zum Handel mit Drogen im Darknet, doch das heißt nicht, dass die Bedeutung des Internets als Umschlagsplatz für Drogen in der organisierten Kriminalität abgenommen hat, im Gegenteil“, sagt Brockmann. „Der Dynamik der internationalen und digitalen Ausweitung der Organisierten Kriminalität müssen wir auf Augenhöhe begegnen“, betont Innenminister Boris Pistorius. „Deshalb brauchen wir bessere Eingriffsmöglichkeiten, vor allem im digitalen Bereich.“ Damit meint der Innenminister vor allem die Ausweitung der Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) auf Chats und Internettelefonie sowie die Erweiterung der Befugnisse bei der Online-Durchsuchung.Lesen Sie auch: Aus „Gefahrenabwehr“ werden Regeln zur Verhütung von Gefahren Warum die Onlineüberwachung für die Polizeiarbeit wichtig werden kann
Um die Augenhöhe mit den Tätern herzustellen, setzt die Polizei zunehmend auf Experten aus einzelnen Fachrichtungen. Vor allem im Bereich IT werden inzwischen nicht mehr nur Beamte nachgeschult, sondern auch Informatiker und Wissenschaftler eingestellt. Diese helfen direkt bei der Strafverfolgung oder entwickeln Softwarenprogramme, die den Ermittlern die Arbeit erleichtern sollen. Etwa die Auswertung von großen Datensätzen, wie sie bei Onlineaktivitäten anfallen. 46 Stellen für Spezialisten haben die Polizeidirektionen und das Landeskriminalamt seit 2015 bekommen, in diesem Jahr sind im Haushalt nochmal 20 Stellen bewilligt worden. Und Pistorius will den Kreis der Experten noch erweitern: Sieben zusätzliche Stellen werden für Finanzexperten geschaffen, die dabei helfen sollen, das immer unübersichtlicher werdende Geflecht von Geldströmen in der Organisierten Kriminalität zu entwirren.


