Philologen wehren sich gegen neuen Klassenfahrtenerlass
(rb) Hannover. Klassenfahrten sind nach wie vor ein Reizthema in Niedersachsen: Der Philologenverband stemmt sich vehement gegen den jetzt vorliegenden Neuentwurf des Schulfahrtenerlasses aus dem Kultusministerium. Von den öffentlich angekündigten „großen Schritten“ zu einer Verbesserung der Kostenerstattung und des Zeitausgleichs für die begleitenden Lehrkräfte sei wenig geblieben, kritisierte deren Vorsitzender Horst Audritz am Donnerstag. Er forderte erneut, die Lehrkräfte nicht weiterhin zu benachteiligen und sie endlich bei der Erstattung der Reisekosten für Klassenfahrten mit anderen öffentlich Bediensteten gleichzustellen sowie die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Selbst nach den jetzt geplanten bescheidenen Verbesserungen würden den Lehrkräften für Übernachtungskosten nur 50 Prozent der im öffentlichen Dienst üblichen Dienstreisesätze gewährt. Gleiches gelte für die Verpflegungskosten, die für Lehrkräfte im Inland bei 50 Prozent, bei Auslandsfahrten bei 80 Prozent der ansonsten üblichen Beträge liegen würden. Die geplante Nebenkostenpauschale von maximal zehn Euro pro Tag und höchstens 30 Euro pro Woche decke bei Studienfahrten mit zahlreichen hohen Eintrittsgeldern für Museen, Ausstellungen, antike Stätten oder Theaterbesuche keinesfalls die tatsächlichen Kosten für die begleitenden Lehrkräfte. Der geplante Zeitausgleich von einer Unterrichtsstunde pro Tag sei ebenfalls unzureichend. Dass die Schulen diese „bescheidenen“ Verbesserungen ausnahmslos selbst erwirtschaften sollten, hält Audritz für nicht sachgerecht. Praktisch müsse damit in anderen Bereichen des Schuletats gekürzt, und Lehrerstunden müssten aus anderen Aufgabenfeldern abgezogen werden – zu Lasten der Schüler/innen. Schulfahrten ohne angemessene Aufstockung des Schulbudgets werde es so im geplanten Umfang nicht mehr geben können. Audritz erinnerte daran, dass der Verzicht auf Schulfahrten nicht nur mit der willkürlichen, mittlerweile wieder aufgehobenen Arbeitszeiterhöhung an Gymnasien, sondern auch mit der unzureichenden Reisekostenerstattung verbunden gewesen sei.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #165.