16. Apr. 2019
Soziales

Sozialverband: Heilerziehungspfleger sollen kein Schulgeld mehr zahlen

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen hat die Landesregierung dafür kritisiert, dass sie das Schulgeld für Heilerziehungspfleger nicht abschafft. Nach einer neuen Richtlinie werden ab dem nächsten Ausbildungsjahr zwar angehende Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Podologen vom Schulgeld befreit, nicht aber die Heilerziehungspfleger. Aus Sicht des Sozialverbandes dürften aber auch diese nicht weiter außen vor gelassen werden. Heilerziehungspfleger seien schließlich „Fachkräfte für Teilhabe, Bildung und Pflege und begleiten Menschen mit Behinderung, die Unterstützung benötigten“, erklärte Adolf Bauer, SoVD-Landesvorsitzender in Niedersachsen. „Insbesondere beim Thema Inklusion wird immer wieder deutlich, dass in den Schulen entsprechend ausgebildetes Personal fehlt.“ Deshalb solle die Landesregierung alles tun, um Nachwuchs zu finden. Bauer fordert auch Nachbesserungen beim Zeitpunkt, zu dem die neue Richtlinie greifen soll. Nach den Plänen der Landesregierung werden nur diejenigen von der Zahlung des Schulgeldes befreit, die zum 1. August 2019 ihre Ausbildung beginnen. Auch die FDP-Fraktion kritisiert dies. „Die Landesregierung riskiert, dass mehrere tausende angehende Ergo- und Physiotherapeuten ein Jahr ihrer Ausbildung wegwerfen“, sagt Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Diese Regelung ist unfair und sollte dringend angepasst werden.“ Sollte das Geld im Landeshaushalt nicht ausreichen, schlägt Försterling vor, die Landesregierung sollte entweder zumindest ab dem 1. Januar 2020 allen Auszubildenden die Schuldgeldfreiheit gewähren oder in den Haushalt 2020 weitere Mittel einstellen, um den Auszubildenden dann rückwirkend die Schulgeldbeiträge anteilig zu erstatten. Auch die Grünen-Fraktion stimmt in die Kritik an den Plänen der Landesregierung mit ein. Sie fordern eine komplette Schulgeldfreiheit für alle therapeutischen Berufe und auch für diejenigen, die jetzt schon in der Ausbildung sind. „Ansonsten erweist das Land Niedersachsen sich, den bisherigen Auszubildenden und all denjenigen, die gesundheitlich auf therapeutische Versorgung dringend angewiesen sind, einen Bärendienst", erklärte Meta Janssen-Kucz, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #74.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning