18. Aug. 2020
Soziales

Pantazis fordert neue Corona-Teststrategie

Der Braunschweiger SPD-Chef Christos Pantazis, Vize-Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, fordert einen Wechsel in der Test-Strategie in der Corona-Krise: Anstelle der bisher verwendeten PCR-Tests, die sehr zuverlässig arbeiten aber aufwendig und vergleichsweise teuer sind, solle man neue Verfahren erproben – mit Schnelltests, die zwischen 30 und 90 Minuten schon valide Ergebnisse anzeigen. „In Anbetracht steigender Neuinfektionen in besorgniserregender Höhe mit steigendem Risiko eines exponentiellen Anstiegs sollte die Bundesregierung die bis dato verfolgte Teststrategie kritisch evaluieren. Sie sollte möglichst auf Schnelltests umsteigen“, sagte Pantazis im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick. Als beispielgebend erwähnt er in diesem Zusammenhang Großbritannien. Die Universität in Oxford habe einen neuen Schnelltest entwickelt, der von den Behörden in London jetzt zugelassen worden sei. In Deutschland setze man bisher noch zu sehr auf die herkömmlichen PCR-Tests, doch angesichts der Herausforderungen in den kommenden Wochen und Monaten sei das „der falsche Ansatz, um einen erneuten Lockdown zu verhindern“, sagte Pantazis. Der SPD-Abgeordnete ist Humanmediziner und hat vor seiner Wahl in den Landtag 2013 als Krankenhausarzt gearbeitet. [caption id="attachment_52749" align="alignnone" width="780"] Spricht sich für eine neue Corona-Teststrategie aus: SPD-Fraktionsvize Christos Pantazis - Foto: SPD Nds; jarun011[/caption] Pantazis meint, er teile im Wesentlichen die Einschätzung, die auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach vertrete: Die PCR-Tests seien zwar sehr zuverlässig und schlügen bereits an, wenn ein Mensch eine niedrige Zahl von Corona-Viren im Rachenraum trägt, doch sie seien - trotz ihrer unbestreitbaren Sensitivität - mit bis zu 200 Euro je Test sehr teuer. Ein wesentliches Argument sei auch die lange Zeitspanne bis zur Ermittlung eines Ergebnisses. Es könne bis zu vier Tage dauern, bis ein Resultat vorliegt. „In dieser Zeit können Menschen, die infiziert sind, das Virus schon weitergetragen haben. Dieser Weg ist daher nicht empfehlenswert, wenn man künftig schnell und flexibel in bestimmten Gebieten mit erhöhten Neuinfektionen die Verbreitung des Virus eindämmen will“, betont Pantazis.
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Schnelltests in der Art, wie sie von der Universität in Oxford jüngst entwickelt wurden, hätten zwei Vorzüge. Zum einen koste ein Test nur bis zu zehn Pfund (also elf Euro), außerdem könne man das Ergebnis schon in einem Zeitkorridor von 30 bis 90 Minuten haben – die überprüften Menschen könnten also gleich am Ort der Tests die Resultate erfahren. Auf der anderen Seite seien die Ergebnisse zwar in der Anfangsphase einer Infektion (in den ersten acht bis 24 Stunden) nicht so spezifisch wie die aufwendigen PCR-Tests, es könne also geschehen, dass ein Neuinfizierter nicht gleich beim ersten Mal also solcher erkannt wird oder eine falsche Anzeige erscheint. „Spätestens beim zweiten Test wird das behoben – und bei zweimal positiven Tests hintereinander in zwei bis drei Tagen haben wir die Sicherheit“, meint Pantazis. Die Universität Oxford habe zudem mitgeteilt, 15.000 Tests täglich an einem Standort organisieren zu können – also könnten ausreichend Kapazitäten zur Bewältigung von Massen-Tests geschaffen werden. Nach den Vorstellungen von Pantazis wäre es mit neuen Massenschnelltests möglich, das Personal in Risikobereichen (Mitarbeiter von Altenheimen, Lehrer an Schulen) ständig und kostengünstig in kurzen Abständen zu testen und so stets einen Überblick darüber zu haben, wie stark sich das Virus verbreitet. „Wir müssen vor die Lage kommen, bevor das Risiko steigender Neuinfektionen im Herbst stark ansteigt und wir Gefahr laufen, in einen von uns ungewollten erneuten Lockdown zu geraten“, betont der SPD-Politiker. Unterdessen hat die AOK Niedersachsen am gestrigen Dienstag mitgeteilt, die Kosten für die Tests der Urlaubsrückkehrer in den Testzentren von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden. Wenn im Betrieb der Testzentren, für den die Kassenärztliche Vereinigung zuständig ist, eine Unterdeckung entsteht, kämen dafür auch die gesetzlichen Krankenkassen auf.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #142.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter