(rb) Hannover. Im Zuge der Haushaltsberatungen hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt die Zahl der Schüler/innen mit Sprachförderbedarf deutlich nach oben korrigiert. Im Kultusausschuss hat die Ministerin das Ergebnis einer statistischen Abfrage vorgestellt, nach der zurzeit 32 716 Kinder keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben. Knapp die Hälfte davon (15 377) seien im vergangenen halben Jahr aufgrund der Flüchtlingsbewegungen neu an die Schulen gekommen. Mit 8899 höher als vermutet ist demnach vor allem die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auch in ihrer Herkunftssprache nicht alphabetisiert sind. Die Ministerin wollte dies allerdings nicht überbewerten und verwies darauf, dass mit 80 Prozent der größte Teil davon eine Grundschule oder einen Schulkindergarten besucht, „wo die Alphabetisierung ohnehin erst erfolgt“. Das Ministerium hat eine solche Erhebung zum ersten Mal veranlasst und will die Zahlen in den kommenden Wochen detailliert auswerten. Heiligenstadt verwies auf die mit dem 2. Nachtragshaushalt geplante Aufstockung um 700 zusätzliche Lehrerstellen zur Stärkung der Sprachförderung an öffentlichen Schulen. Den Oppositionsfraktionen ist dies jedoch bei weitem nicht genug. CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer erinnerte daran, dass die Landesregierung noch vor zwei Wochen von 6200 schulpflichtigen Flüchtlingskindern gesprochen hatte; nun liege die Zahl bei rund 33 000. Er warf der Kultusministerin vor, den Sprachförderbedarf an den Schulen völlig unterschätzt zu haben. Die jetzt angebotenen Hilfen seien völlig unzureichend und kämen viel spät, sagte Hillmer. Nach Angaben des schulpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion, Björn Försterling, reichen die von der Landesregierung nun beabsichtigte Erhöhung der Kapazitäten für Sprachförderung auf 50 000 Stunden pro Woche sowie die Bereitstellung von 100 Stellen für Sozialarbeit gerade einmal für die Unterstützung von 100 der über 3000 Schulen. Zudem seien von den 50 000 Stunden schon 17 000 für die Sprachförderung vor der Einschulung geblockt. Übrig bliebe damit eine Förderstunde pro Flüchtlingskind. Unberücksichtigt seien die Kinder, die in Kürze noch nach Niedersachsen kommen.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #176.