15. Juli 2020
Soziales

Sprechen Sie verordnungsdeutsch?

Vielleicht liegt im örtlichen Buchhandel ja bald der Übersetzer „Deutsch – Corona-Verordnung / Corona-Verordnung – Deutsch“. Geht es nach der Opposition im Landtag, ist er für Bürger und die kommunale Verwaltung durchaus nötig, denn so richtig verständlich sind die Regeln schon seit Wochen nicht mehr. [caption id="attachment_52357" align="alignnone" width="780"] Tun sich damit schwer, die Verordnung in ihrer Komplexität zu verstehen: Stefan Birkner (FDP), Christian Meyer (Grüne), Dana Guth (AfD) -  Foto: FXQuadro, FDP-Fraktion Nds., Grüne-Fraktion Nds., AfD Niedersachsen[/caption] Es bestehe die Erwartung, dass eine Verordnung für die Bürger verständlich ist. Diese Erwartung sei mit der aktuellen Verordnung einmal mehr enttäuscht worden, schimpfte FDP-Fraktionschef Stefan Birkner am Mittwoch im Landtag und fragte, weshalb zum Beispiel bei Schiffs- und Kutschfahrten das Abstandsgebot auf jeden Fall gelten solle, bei Busfahrten aber nicht.
Lesen Sie auch: Landtag billigt milliardenschweres Corona-Krisenpaket Endlich Ferien: In Niedersachsen endet ein ungewöhnliches Schuljahr
Unklar sei auch nach wie vor, wie viele Gäste man bei einer privaten Feier zuhause einladen dürfe. „Vorschriften, die in sich selbst nicht mehr schlüssig sind, müssen Menschen vor Ort verstehen und anwenden können. Das ist aber nicht möglich“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende.
„Wir als Landtagsabgeordnete verstehen es auch nicht mehr.
Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer fragte, ob sich Hochzeitspaare in Pferdekutschen eigentlich küssen dürften, wenn sie noch nicht in einem Haushalt lebten. „Wir als Landtagsabgeordnete verstehen es auch nicht mehr“, fasste Meyer das Unverständnis über die Verordnung zusammen. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Dana Guth machte in Ihrer Rede deutlich, wie unterschiedlich in den Kommunen mit den Regeln umgegangen wird. Treffe sich die Partyszene in Großstädten, sei das zwar verboten, werde aber nicht sanktioniert. Träfen sich dagegen zwölf Leute in Northeim, komme die Polizei vorbei und schreite ein, monierte Guth.

Und dann gab es doch wieder ein Missverständnis

Für die SPD-Abgeordnete Thela Wernstedt ist die Verordnung dagegen in der letzten Version bereits erfolgreich abgespeckt worden. Hier sei ein einigermaßen guter Kompromiss gefunden worden für diejenigen, die vieles möglichst genau geregelt haben wollen und diejenigen, die mehr Freiraum haben wollten. https://www.youtube.com/watch?v=hhzpf98ZPiU Sozialministerin Carola Reimann meinte, mit der letzten Änderung sei die Verordnung deutlich übersichtlicher geworden. Die wichtigsten Mittel blieben Abstand halten, wenn möglich Schutzmaske tragen, Hygieneregeln einhalten und Dokumentationen, um im Falle eines Falles einen örtlichen Lockdown organisieren zu können. Allerdings sorgten die von Reimann vorgetragenen Zahlen zu der Frage, wie viele Menschen sich zu welchem Anlass treffen dürfen, erneut für Verunsicherung. Für das private Umfeld gebe es keine Begrenzung, sagte Reimann. Die Tischgröße für Gruppen in Lokalen liege bei zehn, 50 Personen könnten zum Beispiel an  Feierlichkeiten oder Jugendfahrten teilnehmen und für größere Veranstaltungen gelte die maximale Größe von 500. Ihre erste Erklärung in der Debatte dazu sei missverständlich gewesen, entschuldigte sich die Sozialministerin. „Wie die gesamte Verordnung“, rief der FDP-Politiker Björn Försterling.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning