3. März 2016
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Strategien zur AntibiotikaMinimierung werden fortgesetzt

(rb) Hannover. Die Landesregierung hält an ihren Zielen fest, binnen fünf Jahren den Einsatz von Antibiotika in den niedersächsischen Tierställen um die Hälfte zu reduzieren und den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, eine differenzierte Positivliste von Reservewirkstoffen gegen bakterielle Infektionen vorzulegen, die u.a. ausschließlich der Behandlung von Menschen dienen sollen. Am Mittwoch trafen sich auf Einladung der Landesregierung Expert/innen aus der Human- und Veterinärmedizin, des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes sowie der Landwirtschaft, Wasser- und Lebensmittelwirtschaft in Hannover zu einem Symposium, um über den Fortgang der „gemeinsamen Strategie der Landesregierung gegen Antibiotikaresistenzen“ zu beraten, die vom Gesundheitsministerium koordiniert wird. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer forderte ein Ende „des verschwenderischen Umgangs“ mit Antibiotika in der Tierhaltung. Mehr als die Hälfte des bundesweiten Verbrauchs entfalle auf Niedersachsen. „Ohne Richtungswechsel steuern wir geradewegs in ein PostAntibiotikaZeitalter“, warnte der GrünenPolitiker. Gleichwohl kann Niedersachsen nach einem Jahr penibler Dokumentation in den Ställen und weiteren Maßnahmen erste Erfolge melden: Seit Inkrafttreten der 16. ArzneimittelgesetzNovelle sei ein Rückgang der Therapiehäufigkeit von 20 bis 30 Prozent bei Puten, Masthühnern und -schweinen zu verzeichnen, ohne dass sich der Gesundheitszustand der Tiere dadurch verschlechtert habe, sagte Meyer. Ein großes Problem bleibe aber die Verwendung von „Reserveantibiotika“ in der Tierhaltung. In einigen Wirkstoffgruppen, etwa Fluorchinolonen, soll der Einsatz um mehr als die Hälfte zugenommen haben. Aktuell seien Mediziner in großer Sorge, dass Colestin, das bisher als letztes Reserveantibiotikum galt, durch übermäßige Nutzung insbesondere in der Geflügelhaltung wirkungslos für Tier und Mensch werde. Vor diesem Hintergrund forderte auch Gesundheitsministerin Cornelia Rundt den Bund erneut auf, Antibiotika, gegen die noch keine Resistenzen bestehen, für die Humanmedizin zu reservieren. Niedersachsen werde weiterhin als erstes und bisher einziges Bundesland Antibiotikaresistenzen systematisch beobachten und veröffentlichen, um daraus Hinweise für die Therapie und Hygiene abzuleiten. Die Beratungen zum Einsatz der Wirkstoffe und zur Hygiene im Gesundheitswesen, die enge Kooperation mit Forschungseinrichtungen und mit den Niederlanden würden fortgeführt. Zudem werde ein möglichst bundesweites Monitoring von Antibiotika und Resistenzen in der Umwelt angestrebt, um langfristige Trends verfolgen zu können, hieß es.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #44.
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