Streit um Krankenhausbetten: Kliniken warnen vor Lokalpolitik zu Lasten der Qualität
Der Krankenhaus-Planungsausschuss tagt nächste Woche – und im Vorfeld gibt es riesigen Ärger um die Frage, wo zusätzliche Betten für Schlaganfall-Patienten in der Weser-Ems-Region angesiedelt werden sollen. Das geht aus einem Schreiben von sechs Klinikleitungen aus dem Bereich Oldenburg/Ostfriesland/Emsland hervor, das dem Politikjournal Rundblick vorliegt. In dem an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gerichteten Brief warnen sie davor, dass regional- und lokalpolitische Aspekte bei der Standortwahl ausschlaggebend werden könnten. Dies sei aber für die medizinische Qualität nicht gut. Konkret geht es um die Frage, ob die Krankenhäuser in Leer, Lingen und Cloppenburg mit je 30 Betten eine neue neurologische Abteilung aufbauen sollen. Dies ist bisher offenbar so vorgesehen und wird – wie es heißt – auch von der Großen Koalition im Landtag unterstützt. Sowohl von der Krankenhausgesellschaft wie von den Kommunen und den Kassen wird das angeblich jedoch skeptisch beurteilt. Lingen und Cloppenburg gelten als CDU-Hochburgen, aus Leer stammen einflussreiche Landtagsabgeordnete der Sozialdemokraten und auch der Christdemokraten.
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Der Plan, der nächste Woche womöglich zur Abstimmung steht, sieht nach Rundblick-Informationen so aus: Insgesamt sollen 88 neue Betten geschaffen werden – teilweise stehen auch Umwidmungen solcher Betten an, die bisher für die innere Medizin vorgesehen waren und künftig für die Neurologie eingeteilt werden. Etwa 40 Betten würden so auf Kliniken entfallen, die bisher schon auf Schlaganfall spezialisiert waren. Dies ist unumstritten und wird auch allgemein akzeptiert. Daneben aber würden voraussichtlich das Klinikum in Leer, das Josefs-Hospital in Cloppenburg und die Bonifatius-Klinik in Lingen unterm Strich rund 40 Betten neu hinzubekommen. Zusammen mit den Umwandlungen, die in den drei Standorten vorgesehen sind, hätten sie dann jeweils 30 Betten für neue neurologische Abteilungen in ihren Krankenhäusern. Aber ist es überhaupt sinnvoll, dass neben sechs bestehenden, schon auf Schlaganfallpatienten spezialisierten Krankenhäusern in der Region noch drei weitere mit neuen solchen Abteilungen hinzukommen?
Das Klinikum in Emden, das Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch, das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Damme, das Christliche Krankenhaus in Quakenbrück, die Ammerland-Klinik in Westerstede und das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg verweisen in ihrem Schreiben an den Ministerpräsidenten auf die „bewährte Struktur“ im Raum Weser-Ems. „Wir befürchten, dass durch die Berücksichtigung lokalpolitischer Interessen die von uns gut aufgebaute und sehr gut funktionierende Versorgungsstruktur im Bereich der Neurologie… erheblichen Schaden nehmen würde“, heißt es weiter. Dahinter steckt offenbar die Befürchtung, neue Schlaganfall-Stationen in Lingen, Cloppenburg und Leer würden das bisherige Netzwerk der sechs Kliniken schwächen und durcheinanderwirbeln – unter anderem deshalb, weil sich dann noch mehr Krankenhäuser auf engem Raum um die wenigen qualifizierten Ärzte auf dem Gebiet der Neurologie streiten würden. Das Netzwerk sorgt bisher dafür, dass bei Überbelegung eines der sechs Häuser ein anderes einspringen und einen Ausweichplatz anbieten könnte – dabei sind die Stationen eingespielt und routiniert, alles wird schnell und unkompliziert geregelt. Kämen jetzt in der Region noch drei neue Klinikstandorte hinzu, so müssten diese erst einmal ihre Neurologie-Abteilungen aufbauen, es droht anstelle eines Netzwerkes Konkurrenz. Das Sozialministerium teilt dem Politikjournal Rundblick auf Anfrage mit, die neuen Betten würden „ausgewogen auf bestehende und zusätzliche Standorte verteilt“. Es gehe dabei „auch um die schnelle Erreichbarkeit von Krankenhäusern in der Fläche“. Aus den sechs bestehenden Kliniken heißt es hingegen, es habe bisher nie Probleme bei der Versorgung gegeben, gerade in Leer nicht – stets seien Patienten schnell und sicher nach Emden oder Westerstede gekommen und dort optimal betreut worden.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #159.