Wäre Anis Amri bei Moscheekontrolle früh aufgespürt worden?
Die Rolle der niedersächsischen Polizei bei der Observation des Attentäters auf den Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, wird die Landtagsgremien in der nächsten Woche noch einmal beschäftigen. Amri hatte am 19. Dezember vergangenen Jahres zwölf Menschen getötet und 55 schwer verletzt, als er einen Lastwagen in eine Besuchermenge steuerte. 2015 soll sich der Attentäter mehrfach in Hildesheim aufgehalten und dort sogar als Pizza-Bote gearbeitet haben. Auch in der Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim (DIK) soll er wiederholt gewesen sein.
Aus Unterlagen, die dem Rundblick vorliegen, wird die Zeugenaussage von LKA-Präsident Uwe Kolmey vor dem Islamismus-Untersuchungsausschuss des Landtags untermauert: Das Landeskriminalamt wollte im Herbst 2015 in der Hildesheimer Moschee Personen kontrollieren, denn damals gab es den Verdacht, dass es hier „islamistisch-terroristische Strukturen“ (so die Wortwahl in internen Unterlagen der Polizei) gebe. Das Innenministerium hatte den Antrag aber abgelehnt. Zur Begründung hieß es: „Die erforderliche Prognose, dass durch die beantragten Kontrollmaßnahmen unverzichtbare Erkenntnisse erlangt werden können, ist hier zur Zeit ohne weiteres nicht nachvollziehbar.“ Landespolizeidirektor Knud Lindenau, heißt es in den Akten, solle „das weitere Vorgehen entscheiden“. CDU und FDP gehen nun dem Verdacht nach, der vom Innenministerium verfügte Verzicht auf die Kontrolle in der Moschee sei womöglich deshalb ein schwerer Fehler gewesen, weil man sonst schon früh wertvolle Hinweise auf Amris Aufenthalt in einem als terroristisch eingestuften Netzwerk in Hildesheim hätte bekommen und an die Behörden in NRW weiterleiten können.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #72.