29. Jan. 2020
Landwirtschaft

Wie muss der Bauer auf den Klimawandel reagieren? Politik rät zur Zurückhaltung

Von Niklas Kleinwächter Die Hitzesommer der vergangenen beiden Jahre stecken der niedersächsischen Land- und Forstwirtschaft noch in den Knochen. Und der Ausblick auf den kommenden Sommer lässt auch nicht gerade Erleichterung aufkommen. Denn selbst wenn man noch nicht sagen kann, wie das Wetter im Juni, Juli oder August werden wird, ist schon jetzt ziemlich klar: Der Winter war schon wieder viel zu trocken, und die Grundwasserreserven haben sich bislang noch nicht in dem Maße wieder durch Regenwasser aufgefüllt, wie das für eine anständige Bewässerung im Sommer notwendig wäre. Es wird wohl immer deutlicher: Der Bauer muss sich nicht mehr nur ums Wetter sorgen, es ist das Klima, das die gesamte Branche herausfordern wird. Alle paar Monate kommen neue Hiobsbotschaften über die Folgen des Klimawandels. Extremwetterereignisse sorgen für Ernteausfälle, trockene Bäume werden leichte Beute für den Borkenkäfer und aktuell ist es eine Mäuseplage, die sich aufgrund des milden und trockenen Winters immer weiter ausbreitet.

Es gibt keine Vorgabe, an der sich der Landwirt orientieren kann. Dieser Landtag muss sich positionieren.


Wie aber umgehen mit den klimatischen Veränderungen und ihren Folgen? Die Grünen im Landtag forderten bereits 2018 in einem Entschließungsantrag, dass die Landwirtschaft nach Dürre und Hitzewelle nachhaltig neu ausgerichtet werden solle. Gestern kam der Antrag nach überaus langer, ausführlicher Beratung im zuständigen Agrarausschuss schließlich im Landtag zur Abstimmung – und wurde gegen die Stimmen der Grünen abgelehnt. Das sei ein „wahnsinniges Armutszeugnis“, kritisierte Grünen-Agrarpolitikerin Miriam Staudte. Ein 50 Seiten dickes Protokoll sei nach der Anhörung von Experten im Agrarausschuss entstanden. Der Tenor sei, dass die Forderungen der Grünen in die richtige Richtung gingen und noch weiter konkretisiert werden müssten. Grünland müsse erhalten, Humus weiter aufgebaut werden. Man müsse weg von einer zunehmenden Spezialisierung, hin zu vielfältigen Fruchtfolgen und hitzebeständigen Pflanzen. Außerdem müsse die Tierhaltung neu ausgerichtet werden, zitierte Staudte aus ihrem Entschließungsantrag. Die Bauern fragten immer wieder, was sie tun müssen und wer ihnen Rat geben könne, erzählte sie. „Es gibt keine Vorgabe, an der sich der Landwirt orientieren kann“, klagte Staudte und forderte: „Dieser Landtag muss sich positionieren.“
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Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) widersprach den Vorwürfen der Grünen-Politikerin. Die Landesregierung handele bereits, sagte sie. „Sowohl im Bereich Klimaschutz als auch im Bereich Klimafolgenanpassung ist sehr viel in Bewegung. Der vorliegende Antrag ist daher überholt.“ Sie verwies etwa auf das Klimagesetz der Landesregierung und bekräftigte in dem Zusammenhang noch einmal, dass auch die Land- und Forstwirtschaft „natürlich“ ihren Beitrag leisten werde, um die Klimaziele zu erreichen. Wichtig sei außerdem ein verbessertes Nährstoffmanagement. Zudem setzt die Landesregierung auf Unterstützung für die Landwirte in Form von Risikomanagement und Beratung, und auch die Forstwirte bekommen Unterstützung beim Waldumbau. „Das Gros der Forderungen ist längst Tagesprogramm“, sagte auch der CDU-Agrarpolitiker Marco Mohrmann, und sein Koalitionskollege Tobias Heilmann von der SPD bekräftigte, „so tatenlos, wie die Grünen behaupten, sind die handelnden Akteure gar nicht“. Dabei verwies er auf Forschungsprojekte zu besserem Wassermanagement im Grünlandzentrum oder im Gnarrenburger Moor, die von der Landesregierung unterstützt werden, sowie auf regionale „Klima-Allianzen“, in denen Gemeinden und Landwirte an neuen Konzepten arbeiteten.

Grupe: Bauern brauchen keine Ratschläge von der Politik

Harsche Kritik an den Vorschlägen der Grünen kam von Hermann Grupe (FDP), der selbst auch Landwirt ist. Ginge es nach ihm, würde sich die Politik mit gut gemeinten Vorgaben und neuen Programmen komplett zurückhalten. „Für uns Landwirte ist das Politikrisiko größer als das Klimarisiko“, sagte er. Was die Landwirte, die mit Wetterextremen zu kämpfen haben, besonders belastet, seien vor allem falsche Ratschläge aus der Politik, mit denen die Politik nur zeigen wolle, dass sie nicht untätig ist. Regionale Klimaprognosen, wie von den Grünen gefordert, bezeichnete er als „Kaffeesatzleserei“, und die von den Grünen ins Gespräch gebrachten trockenheitsresistenten Früchte lehnte er ebenso ab. Da hätten die Grünen schließlich nur Früchte vorgeschlagen, die selbst bei guten Bedingungen schlechte Erträge brächten. Sein Vorschlag: Man sollte die Bauern mal selber machen lassen.

Mohrmann: Niedersächsische Tierhaltung nicht ständig infrage stellen

Den CDU-Agrarpolitiker Marco Mohrmann ärgerte am Antrag der Grünen vor allem die kritische Grundeinstellung zur Tierhaltung. Die Grünen fordern nämlich auch immer wieder die Reduzierung der Tierbestände. Mohrmann will aber nicht, dass die niedersächsische Tierhaltung ständig infrage gestellt wird – schließlich hingen daran auch viele Arbeitsplätze. Aber auch nach Klimaschutzgesichtspunkten sieht er darin keinen Vorteil. Es nütze dem Klima schließlich nicht, wenn das Fleisch anderswo produziert werde. Ein Kilogramm Schweinefleisch aus Niedersachsen hätte einen nur halb so großen CO2-Fußabdruck wie dieselbe Menge Schweinefleisch, wenn sie in Südamerika produziert wurde, rechnete er vor. Ähnlich argumentierte auch die AfD-Fraktionsvorsitzende Dana Guth. Sie führte als Argument an, dass sich der Fleischbedarf zuletzt vervierfacht hätte. Würde die Lebensmittelproduktion verringert werden, könnte dieser womöglich nicht mehr gedeckt werden. Und noch ein anderes Argument hält sie davon ab, den Pläne der Grünen zur Klimafolgenanpassung zu folgen: Was passiert denn, wenn der nächste Sommer nicht so wird wie 2018 oder 2019, sondern wie 2017? Damals war der Sommer nämlich besonders nass – und die Ernte ist nicht vertrocknet, sondern abgesoffen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #019.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter