(rb) Hannover. Pensionierte Lehrkräfte, die sich angesichts des großen Bedarfs an Deutschunterricht für Flüchtlingskinder in diesem Feld engagieren wollen, können direkt mit der Landesschulbehörde entsprechende Honorarverträge abschließen. Dort stehe ein Budget von rund 100 000 Euro zur Verfügung, aus dem die Vergütung dieser Lehrkräfte finanziert werden soll. Zudem setzt die Landesregierung auf ehrenamtliches Engagement der Lehrkräfte. Nach Angaben des Kultusministeriums ist allerdings nicht daran gedacht, deren Einsatz zentral zu steuern. Vielmehr soll die Auswahl dieser Pädagogen von den Schulen vor Ort übernommen werden, die den jeweiligen Bedarf an zusätzlichen Sprachlernklassen oder anderen Angeboten besser einschätzen könnten, sagte am Mittwoch eine Sprecherin des Ministeriums in der Landespressekonferenz. Man müsse zunächst beobachten, wie sich die Dinge weiter entwickelten. Mit massiver Kritik hat die FDP-Landtagsfraktion auf das nach ihrer Meinung völlig unzureichende Engagement der Landesregierung für den Deutschunterricht von Flüchtlingskindern reagiert. 100 000 Euro für die Einstellung pensionierter Lehrkräfte sei „ein Hohn“, sagte der schulpolitische Sprecher der Fraktion, Björn Försterling, am Mittwoch. In Niedersachsen sei mit etwa 32 000 schulpflichtigen Flüchtlingskindern zu rechnen, die dringend Sprachlernklassen brauchten. Bei dem vom Kultusministerium genannten Budget wären dies gerade einmal 3,13 Euro pro Kind und Jahr. Die Oppositionsfraktionen hatten bereits im Vorfeld der Haushaltsaufstellung eine deutliche Erhöhung der Mittel für zusätzliche Sprachlernklassen gefordert. Den von der FDP-Fraktion vor Monaten verlangten 12,5 Millionen Euro stehen mittlerweile weitere 500 000 Euro gegenüber, die die rotgrüne Koalition dafür zur Verfügung stellen will. Das reiche gerade einmal für 20 neue Sprachlernklassen in einem Schulhalbjahr, kritisierte Försterling. Wenig Verständnis äußerte der FDP-Politiker für die Ankündigung der Thüringer SPD, die Schulpflicht für Flüchtlingskinder gleich ganz abzuschaffen. Das sei überhaupt keine Lösung, sagte Försterling. Es könne nicht sein, dass Flüchtlinge und deren Kinder, die Deutsch lernen wollten, dazu keine Chance bekommen oder dies selbst von ihrem Taschengeld finanzieren müssten. In Niedersachsen wird es nach dem Willen der Landesregierung nicht zur Aussetzung der Schulpflicht für Flüchtlingskinder kommen. „Die Schulpflicht beginnt, wenn die Kinder aus den Erstaufnahmeeinrichtungen herauskommen und in die Kommunen verteilt werden“, sagte die Sprecherin des Kultusministeriums. Eine Änderung dieser Praxis sei nicht vorgesehen.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #154.